Zeitung Heute : Kein Anruf zu diesem Thema

Der Tagesspiegel

Berlin. Eigentlich wäre jetzt ja alles ganz einfach. Der Autor des gefälschten Istaf-Faxes will sich outen – dem Regierenden Bürgermeister und dem Sportsenator auch. Also müssten Klaus Wowereit und Klaus Böger nur bei dem Sportpsychologen Hartwig Marx anrufen lassen. Marx kennt den Namen des Autors auch, er darf ihn sagen. Aber von Wowereit und Böger wird er keine Anrufe erhalten. „Wir haken nicht nach, für uns ist für uns das Thema erledigt“, sagt Senatssprecher Michael Donnermeyer. „Wenn sich jemand entschuldigen möchte, müsste er auf uns zugehen.“ Der Autor müsste sich dafür entschuldigen, dass er kurz vor der Abstimmung über die Leichtathletik-WM 2005 den Funktionären des Weltverbands fälschlich mitteilte, die Istaf GmbH sei insolvent.

Nur ist das Thema damit nicht erledigt. Schließlich gibt es noch das Aktenzeichen 93 JS 552/02. Unter dem ermittelt eine Staatsanwältin gegen den Fälscher. Immerhin hat der Deutsche Leichtathletik-Verband Anzeige wegen Betrugs gestellt. Und in diesem Fall reicht notfalls auch ein Anruf. Denn Marx müsste jetzt einem Staatsanwalt den Namen des Fälschers nennen. Der Autor hat Marx von dessen Schweigepflicht entbunden.

Das Thema Istaf sorgt aber noch auf ganz anderem Gebiet für Aufregung – beim SCC, einem der Gesellschaftervereine der Istaf GmbH. Das SCC–Präsidium hat kurzerhand die ganze Führung der Leichtathletik-Abteilung für abgesetzt erklärt. Die Chefetage nahm es Abteilungsleiter Jürgen Hacker übel, dass der öffentlich düster über die finanzielle Situation der Istaf GmbH geredet hatte. Ein paar Tage später freilich musste die GmbH Insolvenz anmelden.

Allerdings war die Absetzung wohl auch rechtswidrig. Am Mittwoch findet eine Mitgliederversammlung der Abteilung statt. Nur: Wer leitet sie? Hacker und seine Kollegen haben ihre eigene Entmachtung bislang ignoriert. Da aber das Präsidum des Gesamtvereins hart bleiben und am Mittwoch selbst die Zusammenkunft leiten will, dürfte es im Horst-Korber-Zentrum zum verbalen Showdown kommen. Frank Bachner

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