Zeitung Heute : Kein Auftritt ohne Netzadresse

HOLGER SCHLÖSSER

Wie Straßennamen und Nummern in der realen Welt helfen Domain-Namen im Internet dabei, einen bestimmten Ort wiederzufinden.Daß dies funktioniert und jedem an das globale Datennetz angeschlossenen Rechner ein eindeutiger Name zugewiesen wird, dafür sorgt das Domain-Name-System.Diese weltweit gültige Namensstruktur sorgt für Ordnung im Netz.



Das Internet besteht, anders als es der Name nahelegt, nicht aus einem, sondern aus Tausenden von Netzwerken, verteilt über die ganze Welt.Die Namen bilden zum großen Teil diese geographische Struktur ab.Zu diesem Zweck besteht jede Internet-Adresse aus verschiedenen Ebenen.Die oberste Domäne wird "top level domain" genannt und kennzeichnet in der Regel das Land, das die Domäne verwaltet, beispielsweise ".de" für Deutschland und ".fr" für Frankreich.In den USA, dem Ursprungsland des Internets, wird dagegen nach der Art der Einrichtung klassifiziert, also etwa ".gov" für US-Regierung und ".com" für kommerzielle Firmenwebseiten.



Vor dieser Landeskennung kommt der eigentlich wichtige Domain-Name.Im Unterschied zum normalen Geschäftsleben, wo die Vergabe von identischen Firmennamen möglich sein kann - vorausgesetzt, die Firmen sind geographisch voneinander entfernt oder gehören einer anderen Branche an - kann ein Domain-Name im Internet nur einmal vergeben werden."First come, first serve" heißt die Devise, und der Streit um die knappen Ressourcen ist vorprogrammiert.Viele Firmen - darunter Deutsche Bank, MacDonalds oder Apple - , die ihre Marke im Internet registrieren lassen wollten, mußten die Erfahrung machen, daß diese bereits von anderen benutzt wird.



Es zeichnet sich jedoch ab, daß sich die Unternehmen vor Gericht erfolgreich auf Kennzeichenrechte oder das Wettbewerbsrecht berufen und ihre Namenswünsche durchsetzen können.Also aufgepaßt: Bei der Wahl des Domain-Namens ist man für die Einhaltung des Namensrechts selbst verantwortlich.Die Vergabe der Domain-Namen erfolgt durch nationale Vergabestellen.In Deutschland ist dafür die Denic (www.denic.de) zuständig.Allein für die Einrichtung kassiert diese Genossenschaft 200 Mark.Dazu kommt jährlich nochmals der gleiche Betrag für die Pflege des Domain-Namens.Das sind mit Mehrwertsteuer 464 DM.



Der Weg zu eine Adresse im Web führt aber in der Regel über eines der Mitglieder des Denic.Bei Snafu muß man für einen Domain-Namen plus virtuellen Webserver 500 Mark Einrichtungsgebühr plus Mehrwertsteuer und 200 Mark im Monat bezahlen.Dafür wird nach Speichervolumen abgerechnet und man kann auf dem Server Datenbanken oder Shops installieren.



Als Alternative bietet sich für den Einsteiger der Service der Berliner "Strato AG" (www.strato.de) an.Domain-Namen ohne Speicher sind hier ab etwa 15 Mark im Monat zu haben.Dabei wird der Surfer, wenn er die Internet-Adresse eingibt, einfach auf eine bestehende Homepage weitergeleitet.Wer auch Serverplatz braucht, bekommt für fast 20 Mark sieben Megabyte Speicher.Wird der Datentransfer zu groß, behält sich Strato allerdings vor, den Tarif anzupassen.



Wer noch unschlüssig ist, ob sich der Internet-Auftritt für sein Unternehmen überhaupt lohnt, der kann mit dem Projekt "Web-Offensive" (www.akademie.de) erste Erfahrungen sammeln.Das von der privaten Internet-Akademie aus Berlin und Focus Online ins Leben gerufene Projekt stellt Firmen ein Jahr lang einen kostenlosen Web-Server zur Verfügung, der unter eigenem Domain-Namen genutzt werden kann.HOLGER SCHLÖSSER

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