Zeitung Heute : Kein Grund zur Klage

Heike Jahberg

Verbraucherschützer haben dem DFB mit Klage gedroht, sollte der Verkauf von Fußball-WM-Tickets nicht verbraucherfreundlicher werden. Was wären die Folgen, wenn der DFB wie angekündigt einlenkt?

„Verbraucher sind auch Fußballfans“, hat DFB-Präsident Theo Zwanziger erkannt. Zwanziger war am Donnerstag zum Auswärtsspiel nach Berlin gereist, um gemeinsam mit der obersten Verbraucherschützerin, Edda Müller, den Streit über kundenunfreundliche Vertragsklauseln bei den Tickets für die Fußball-WM beizulegen. Mit Erfolg: Die Spitzenbegegnung wurde zum Freundschaftsspiel, die angedrohte Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) dürfte vom Tisch sein. Glaubt man dem DFB, war das Ganze ohnehin ein großes Missverständnis. „Wir bemühen uns um serviceorientierte Lösungen“, betonte der Sprecher des WM-Organisationskomitees (OK), Jens Grittner.

Den Vertragsklauseln hatte man dieses Bemühen aber bisher nicht angesehen. Nun will der Deutsche Fußball-Bund die drei vom VZBV abgemahnten Klauseln überarbeiten: Für Fans, die bei der Verlegung eines Spiels ihr Ticket zurückgeben möchten, soll eine Tauschbörse eingerichtet werden. Bei den Bildrechten der Stadionbesucher soll der Persönlichkeitsschutz gewahrt bleiben. Und auch das Bestellformular für die WM-Tickets soll geändert werden: Wer Karten bestellt, soll nicht mehr den Eindruck bekommen, er müsse vorher einer Weitergabe seiner Daten zu Werbezwecken zustimmen. Bis zum nächsten Dienstag will der DFB Formulierungsvorschläge vorlegen und mit den Verbraucherschützern abstimmen. Die neuen Regeln werden für alle Kunden gelten – egal, ob sie ihre Karten schon bestellt haben oder das erst in den nächsten Wochen tun. Die Frist für die Kartenbestellung läuft bis zum 31. März.

Generell sollen die Rückgabe und der Tausch von Tickets in Zukunft erleichtert werden, sagte VZBV-Chefin Müller. Zwar soll auch weiterhin die Zustimmung des OK nötig sein, um Schwarzmarktgeschäfte zu unterbinden. Die Zustimmung soll aber nur in Ausnahmefällen verweigert werden, etwa aus Sicherheitsgründen. Mit Sicherheitsgründen argumentiert das Ok auch beim Datenschutz. Dieser ist nach Meinung des Bundesbeauftragten für den Datenschutz, Peter Schaar, bei der WM-Kartenbestellung verletzt. Dass man die vollständige Nummer des Personalausweises angeben muss, verstoße gegen das Personalausweisgesetz und sei gesetzeswidrig, sagt Schaars Sprecherin Ira von Wahl. Beim OK sieht man das gelassen. Die vollständige Angabe der Ausweisnummer gehe auf eine ausdrückliche Forderung des Bundesinnenministeriums zurück, betont Grittner: „Das Ministerium verlangt ein Höchstmaß an Sicherheit.“

Auch Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) scheint mit ihrer Forderung nach einem Ombudsmann für die Fußball-WM ins Abseits zu laufen. Die Ministerin hatte gefordert, eine Anlaufstelle für Beschwerden und Probleme beim Verkauf der WM-Tickets einzurichten. An der Spitze könnte jemand wie Ex-Teamchef Rudi Völler stehen, so Künast. Entsprechende Gespräche mit dem DFB liefen bereits, hieß es.

Doch dort weiß man von nichts. „Was soll der Obmann denn tun?“, fragt OK-Sprecher Grittner. Denn die Zahl der Karten, die zur Verfügung stehen, sei nun mal begrenzt. Ein Großteil der Tickets ist für Sponsoren und die nationalen Fußballverbände reserviert. In den freien Verkauf gehen zunächst nur 812000 Karten, für diese liegen aber bereits 1,6 Millionen Bestellungen vor – davon 80 Prozent aus Deutschland. Wer letztlich eine Karte bekommt, wird im April per Losverfahren entschieden.

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