Zeitung Heute : Kein Tanz mit Hund

HANS TOEPPEN

Hunde sind enge Verwandte von Wölfen.Man muß das heutzutage sagen, weil Tiere gerne verkitscht werden, vermenschlicht oder als pelzig-liebe Verbindung betrachtet werden zwischen der seelenlosen Technik der Moderne und der Romantik der Natur.Hunde also sind wölfisch, wenn auch domestiziert.Sie haben ihre Zähne genetisch zum Beißen und sie besitzen ein hochdifferenziertes Sozialverhalten, das es ihnen schließlich auch ermöglicht hat, in die Rolle des angeblich besten Freundes des Menschen zu schlüpfen und es sich teilweise dort recht gemütlich zu machen.Soviel wenigstens ist klar, wenn man Dackel Waldi und "Kampfhund" Terrific angemessen beurteilen will.Beide sind vom gleich Blut.Der eine ist vom Menschen lediglich auf Miniaturformat gebracht worden.Die Vorfahren des anderen haben wahrscheinlich einmal als Bullterrier Ratten gejagt.

Nur braucht heute kaum noch ein Mensch Rattenjäger, und deshalb haben wir das Problem der Kampfhunde am Hals.Ein großer Teil der Halter ist gar nicht mehr ernsthaft an einem Hund interessiert - sei es zur Jagd, als Wächter von Haus und Hof, oder einfach als Spielgefährten.Er braucht eigentlich nur eine Imponiergeste.So ist denn der mythisch besetzte "Kampfhund", der als Pitbull tatsächlich aus Hundekämpfen stammt, auf den Markt gekommen.So etwas wie ein Bruder im Geiste des Mantas, des tiefer gelegten Fahrgestells, oder der Baseballkeule, wahrscheinlich der letzten am nächsten verwandt.

Wie geht man aber mit einer lebenden Waffe um, die immer wieder einmal ihre Zähne in Menschen schlägt und ihre Opfer verstümmelt oder umbringt? Die ganze Diskussion um die sogenannten Kampfhunde leidet unter zwei biologischen Prämissen, die zwar richtig, für die Opfer aber völlig unerheblich sind.Erstens: Hunde sind immer ein Produkt ihrer Zucht, ihrer Erziehung, ihrer Haltung und ihrer "Prägung" auf Menschen und andere Tiere.Jeder Fehler kann sie für einen Moment wieder zu Bestien machen.Für jeden Fehler tragen aber Menschen die Verantwortung.Zweitens: Es gibt keine schlüssige Definition, was "Kampfhunde" eigentlich sind.Wenn man die verschiedenen Bullterrier-Arten als angeblich degeneriert aus der Zucht verbannte, würden bei sozial gestörten Haltern oder solchen mit Minderwertigkeitsgefühlen, im kriminellen Milieu und in der ganzen Tierzucht à la mode wahrscheinlich in größter Schnelle andere Imponier-Produkte nachrücken - Rottweiler vielleicht, oder asiatische Exoten, die nicht weniger gefährlich sind.

Zuchtverbote und "Hundeführerscheine" sind deshalb nur der Ausfluß einer verbreiteten Neigung, ein konkretes Problem verallgemeinernd zu regeln.Wir haben aber vor allem ein Vollzugsproblem.Kein Vermieter ist gezwungen, seinen Mietern einen Hund zuzumuten, den diese für gefährlich halten.Kein Bezirk muß unter den Kindern in seinen Parks große Tiere herumspringen lassen.Kein Mensch kann gezwungen werden, sich von Mitmenschen durch freilaufende Aggressionen terrorisieren zu lassen.Und niemand von uns ist gezwungen, in einem bissigen Hund die gequälte Seele zu suchen und das Gute hinter dem Bösen.Es ist nämlich nur ein armes Tier.

Wir bringen jedes Jahr Hunderttausende von armen und lieben Kälbern, Lämmern und Küken um.Gleichzeitig erlauben wir uns den Luxus der Frage, wie ein Hund, der einen Menschen verstümmelt hat, therapiert werden könnte und sperren ihn womöglich in tierquälerische Einzelhaft.Dabei ist der Ausweg einfach.Wer einen Hund hat, der mutwillig Menschen beißt, verdient keinen Hund.Und ein solcher Hund gehört nicht unter Menschen.Er muß nicht inhaftiert, sondern eingeschläfert werden.Nicht sein Lebensinteresse steht im Vordergrund, sondern das der Menschen.

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