Zeitung Heute : Kein Tellerwäschertyp

TAGESSPIEGEL: Herr Muenz, wie kamen Sie auf die Idee, das Handbuch "Selfhtml" zu schreiben und vor allem, es kostenlos ins Internet zu stellen?



MUENZ: Ich stieß relativ früh, Anfang 1995, auf HTML.Damals gab es wenig Dokumentationen zu dem Thema.Nun ist es eine alte Marotte von mir, über Dinge, in die ich mich einarbeiten will, ein Handbuch zu schreiben.Was bot sich dazu besser an, als das gleich in HTML zu tun? So entstand die erste Version der Doku.Es war ganz selbstverständlich, sie auch gleich im Netz anzubieten.



TAGESSPIEGEL: Welchen fachlichen Hintergrund brachten Sie mit?



MUENZ: Eine Mischung aus Geisteswissenschaften und Computerei.Ich habe ein abgeschlossenes Philosophiestudium und eine abgeschlossene Ausbildung als Organisationsprogrammierer.Im Berufsleben bin ich in den Zweig der Technischen Dokumentation geraten.Das sind jene Leute, die solche Dinge wie Bedienungsanleitungen und Handbücher verfassen.



TAGESSPIEGEL: Wieviel Surfer haben sich die Datei bisher heruntergeladen?



MUENZ: Derzeit hat die Dokumentation etwa 1000 Downloads pro Tag.Erklärbar ist der Erfolg, weil es Selfhtml erstens schon vergleichsweise lange im Netz gibt, und zweitens, weil es nicht nur Sprachen wie HTML, JavaScript und Perl beschreibt, sondern auch einführende Texte und persönliche Ansichten enthält.Viele Leute haben dadurch erst den richtigen Kick bekommen, um selbst im Internet aktiv zu werden.



TAGESSPIEGEL: Ist das eine Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte? Haben sich dadurch Türen für Sie eröffnet?



MUENZ: Vermutlich hätte ich noch mehr daraus machen können, Chancen und Angebote kommen jedenfalls immer wieder mal.Aber ich habe bei TeamOne, der Agentur in München, bei der ich freiberuflich arbeite, alles, was ich mir wünsche.Ich bin einfach kein Tellerwäschertyp, vermutlich tauge ich deshalb auch nicht zum Millionär.



TAGESSPIEGEL: Wie schätzen Sie die Kommerzialisierung des Internet ein?



MUENZ: Das Internet ist kein Broadcasting-Medium wie das Fernsehen, auch wenn einige Medienzaren es gerne so hätten.Im Internet gelten andere Gesetze als im Fernsehen, und kommerzieller Erfolg funktioniert dort anders.Es bleibt auch genügend Platz für nicht-kommerzielle und private Angebote.So wie das Internet derzeit strukturiert ist, sehe ich keine Probleme im friedlichen Nebeneinander von kommerziell orientierten Angeboten und Homepages, die nur aus Spaß an der Freude entstanden sind.



Das Interview mit dem Autor führte Holger Schlösser.

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