Zeitung Heute : Keine Angst vorm Finanzamt

Holger Schlösser

Jahr für Jahr bereitet die Einkommensteuererklärung den gleichen Frust und wird auf die lange Bank geschoben. Denn nur mühsam hangeln sich die meisten Arbeitnehmer, Beamte oder Freiberufler durch den Wust an Formblättern. Dabei rückt der Termin zur Abgabe der Erklärung unaufhaltsam näher. Stichtag ist der 31. Mai 2002. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte die Steuererklärung für das Jahr 2001 im Briefkasten des zuständigen Finanzamtes liegen. Wer diese Frist nicht einhalten kann, muss einen Antrag auf Verlängerung stellen. Einen Aufschub bis Ende September 2002 gewährt der Fiskus meist problemlos. Darüber hinaus wird es allerdings schwieriger. Unstrittig ist, dass sich die Mühe lohnt. Durchschnittlich wird die Arbeit an der Erklärung mit 650 Mark entschädigt, die der Staat zurückerstattet. Wer nicht zuviel zahlen will, muss nur gut informiert sein und die Steuererklärung richtig ausfüllen. Eine große Auswahl an Software will einen dabei unterstützen. Die Kosten von 15 bis 40 Euro für ein solches Programm lassen sich von der Steuer absetzen. Vergleichbar mit den Steuerratgebern in Buchform, die es seit langem gibt, führen die Steuerprogramme besonders unerfahrene Anwender Schritt für Schritt durch die Erklärung. Dabei spart die Software nicht nur das Abholen und das lästige Ausfüllen der Steuerformulare per Hand. Viele Hersteller von Steuererklärungssoftware setzen zudem auf die Multimediafähigkeiten moderner Computer. So offerieren das Wiso Sparbuch, Quicksteuer Deluxe oder Taxman anstelle schriftlicher Fragen eine Art Interview, über das die erforderlichen Steuerdaten vom Anwender abgefragt werden. Auch Steuertipps und Tricks werden über kleine Videos oder Animationen gezeigt. Ohne Nachschlagen in trockener und schwerverständlicher Steuerliteratur entdeckt man auf diese Weise viele interessante Steuerspar-Möglichkeiten. So soll vor allem Neulingen die Angst vor der Steuerthematik genommen werden. Fortgeschrittene werden darauf verzichten können und dieses Feature ausschalten oder gleich ein Programm wie Steuer-Tipps 2002 von der Akademischen Arbeitsgemeinschaft wählen. Das übersichtlich gestaltete Programm der Akademischen Arbeitsgemeinschaft kommt ohne Multimedia-Effekte aus und führt einen schnell und zuverlässig zur fertigen Steuererklärung. Wichtiger als bunte Videoclips sind Extras, die dabei helfen, wirklich Geld zu sparen. Praktische Vorschläge, wie man für die kommenden Jahre rechtzeitig Gestaltungsräume nutzen und so die Steuerlast minimieren kann, verrät bei Programmen wie dem Wiso Sparbuch etwa der integrierte Steuer planer. Schließlich ist es am Jahresende für so manche Steuerspar-Aktion längst zu spät. Außerdem steht ein Riester-Renten- und Erbschaftssteuer-Rechner zur Verfügung. Damit über das Jahr hinweg kein Euro verloren geht, gibt es den elektronischen Belegsammler, das Fahrten- und Kassenbuch sowie den Gehaltsrechner. Übersichtlicher ist allerdings die Erfassung der Finanzen mit Hilfe von MS Money oder Quicken. Diese Dateien sollten sich ohne Probleme in das Steuererklärungsprogramm importieren lassen. Auf Wunsch erstellen die Programme auch den Antrag auf Lohnsteuerermäßigung, Investitionszulage oder Steuerfreistellung für 325-Euro-Jobs (früher 630 Mark). Bereits während der Eingabe der Steuerdaten sieht man auf den Cent genau, wie sich die einzelnen Angaben auf die Steuerlast auswirken und wie viel Geld man zurückbekommt oder nachzahlen muss. Die Steuerprogramme bieten Sammlungen mit Gesetzen und Urteilen sowie Mustertexte für den Briefwechsel mit dem Finanzamt an. Das kann nützlich sein, wenn man später im Steuerbescheid Abweichungen von seinen eigenen Berechnungen entdeckt. Ein Fall, der übrigens öfter eintritt, als man denkt. Durchschnittlich ist jeder dritte Steuerbescheid vom Finanzamt fehlerhaft, hat der Bund der Steuerzahler herausgefunden. Wenn das Finanzamt mal etwas übersieht oder nicht anerkennt, helfen diese Musterschreiben dabei, Einspruch zu erheben oder einen Antrag auf Änderung zu stellen. Viele Hersteller packen neben dem Programm zur Berechnung der Steuererklärung als Bonus auch geballtes Steuerwissen auf die CD-ROM. Lexware hat der Quicksteuer Deluxe beispielsweise die aktuelle Version des Steuerbestsellers Konz "1000 ganz legale Steuertricks" als digitales Buch beigelegt. Buhl Data setzt bei dem Wiso Sparbuch und T@x 2002 dagegen ganz auf das Internet. Wer bereits über einen Zugang zum World Wide Web verfügt, kann sich über die Software in ein Benutzer-Forum einloggen. Hier kann man sich mit anderen Anwendern zu Steuerfragen austauschen, kann Antworten finden, Tipps weitergeben oder die Beiträge anderer lesen. Darüber hinaus gibt es aktuelle Nachrichten und Extras wie einen Online-AfA-Rechner. Die fertige Steuererklärung kann man je nach Wunsch in die amtlichen Formulare oder auf Blankopapier ausdrucken. Noch komfortabler geht es freilich online mit Elster (siehe Kasten), der elektronischen Steuererklärung der Finanzbehörde. Per Knopfdruck werden die Steuerdaten direkt ans Finanzamt versendet. Mit Steuersoftware und Internet ausgerüstet, ist die eigene Steuererklärung relativ schnell ausgefüllt. Schon schwieriger ist es, in der Hektik der Steuergesetzgebung wirklich auf dem Laufenden zu bleiben. Die zum großen Teil kaum verständlichen steuerrechtlichen Vorschriften führen nicht selten dazu, dass die Steuerzahler die bestehenden Steuergesetze nicht mehr korrekt anwenden können. Nach wie vor gilt also: Immer dann, wenn ein Fall kompliziert ist, sollte man trotz aller Hightech den Gang zum Steuerberater erwägen.

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