Zeitung Heute : Keine Angst vorm Fliegen

Rainer W. During

Die Europäische Union will schwarze Listen für unsichere Fluggesellschaften erstellen. Wie kam es dazu?

Europäische Flugpassagiere sollen sich bald problemlos darüber informieren können, bei welchen Luftverkehrsgesellschaften ein besonderes Risiko besteht. Bisher wurden diese Informationen aus Datenschutzgründen als Verschlusssache behandelt. Nur Großbritannien veröffentlichte eine Warnliste, die Exoten wie Air Mauritanie, Air Universal und Star Air (Sierra Leone), Central Air Express (Demokratische Republik Kongo) und eine DC-10 der Ghana Airways sowie alle Airlines aus Äquatorialguinea, Gambia, Liberia und Tadschikistan enthält. Inzwischen hat das EU-Parlament den Entwurf einer Richtlinie gebilligt, nach der Airlines, die nicht den internationalen Sicherheitsnormen entsprechen, öffentlich bloßgestellt werden können. Damit entsteht ein zusätzlicher Druck für sie.

Die Sicherheit ausländischer Airlines war kein Thema, bis vor acht Jahren eine Boeing der türkischen Birgenair mit 176 deutschen Urlaubern nach dem Start in Puerto Plata in der Karibik zerschellte. Nachdem als Ursache schwere Wartungsmängel und Pilotenfehler ermittelt worden waren, setzte in Europa und den USA eine intensive Kontrolle ausländischer Luftfahrtunternehmen ein. Bei so genannten Ramp-Checks wurden seitdem allein in der Bundesrepublik 5864 Flugzeuge auf Herz und Nieren geprüft. In den USA gilt ein anderes System. Die Luftfahrtbehörde FAA überprüft die Fähigkeit der nationalen Luftfahrtbehörden, die internationalen Sicherheitsstandards zu gewährleisten. Inzwischen gibt es ein europäisches Verbundsystem, an dem sich inzwischen 27 Staaten beteiligen. 623 Airlines aus 131 Ländern wurden im vergangenen Jahr überprüft. Bei insgesamt 3414 Kontrollen gab es 3242 Beanstandungen.

Meist handelte es sich um Kleinigkeiten. Doch 21 schwere Mängel an Rädern, Reifen oder Bremsen und 59 Lecks in Treibstoff-, Hydraulik- oder sonstigen Leitungen zeigen, dass die Checks nichts von ihrer Bedeutung verloren haben. 20 Flugzeuge wurden mit einem Startverbot belegt, sieben Gesellschaften bekamen Einflugverbote.

Einige Länder wie Italien, Österreich und die Türkei beteiligen sich nicht an den Kontrollen. Auch zwischen den aktiven Staaten klappt die Kommunikation noch nicht optimal. So erfuhren die Pariser Behörden im Januar erst nach dem Absturz einer Maschine der ägyptischen Flash Airlines mit französischen Touristen, dass die Gesellschaft von den Schweizer Nachbarn bereits mit einem Einflugverbot belegt worden war. Deshalb wollen die Europa-Parlamentarier, dass künftig Ross und Reiter öffentlich genannt werden.

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