Zeitung Heute : Keine Chance für Raubkopierer

NICO DEUSSEN

Der aktuelle Fall mit dem unerlaubten "Star Wars"-Film im World Wide Web zeigt es wieder einmal: Internet geht der Datenklau um.Da werden Bytes verschoben und mit Bits gedealt.Viele Alt-Surfer und Web-Frischlinge betrachten alles, was sie auf dem Datenhighway antreffen, als Free-Ware, sozusagen als Freiwild zum schnellen Show-Down-Load.Copy-as-copy-can ist die WWW-Devise, die viele Anbieter von Bildern, Musik oder Texten davon abhält, ihre Ware als digitale Daten im Flechtwerk der vernetzten Computer feilzubieten.

Ein digitales Wasserzeichen soll nun die Wende im binären Business bringen.Mit ihm lassen sich zwar weder Musikclips und Audiodaten noch Videos und Fotos vor dem Zugriff eigennütziger User schützen."Es gibt keine Möglichkeit", ist sich Jian Zhao sicher, "das Kopieren von Bilddaten zu verhindern".Doch der Computerspezialist vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) ist davon überzeugt, daß sich mit den unsichtbaren Markierungen Datendiebe abschrecken lassen - im Streitfall bezeugt der Geheimzinken den wahren Urheber.Der Bund Freischaffender Fotodesigner spickt die Bilder seines Internet-Katalogs bereits mit der Urheber-Information.

Bisher bereitete das Copyright den kommerziellen Anbietern Kopfzerbrechen.Denn kostengünstiges Kopieren, schnelles Verteilen im Netz, originalgetreue Reproduktion und einfache Handhabung der Bearbeitungssoftware ermöglichen einen regen Datentransfer, der zum Selbstkostenpreis funktionierte.Um Autorenschaft wurde sich dabei selten gekümmert, und für Profit gab es wenig Platz.

Doch die "elektronische Revolution", die einst die Welt zum demokratischen Dorf vernetzen sollte, macht das Internet nach und nach zu einem multinationalen Marktplatz.Denn Daten kennen keine Grenzen.Das "Netz der Netze", bisher hauptsächlich genutzt als Transportweg, bekommt immer mehr multimediale Eigenständigkeit.

Kaum noch überschaubare Informationsmengen lagern inzwischen abrufbereit in großen und kleinen binären Bibliotheken bei Providern (public domain), Privatpersonen (home-page) sowie Online-Diensten (electronic publishing) und warten geduldig aufs Anklicken.Und bei jedem Mausklick soll Geld fließen.Bei weltweit mehreren Millionen Abrufen pro Tag wachsen die Pfennigbeträge schnell zu prall gefüllten Geldsäcken heran.Damit die Groschen aus dem Internet-Geschäft auch in der richtigen Computer-Börse landen, werden Fotos, Musikwerke und sogar Texte mit einem virtuellen Besitzerstempel geprägt.

Im Gegensatz zu codierten Dokumenten, deren Inhalt sich nur mit einem Spezialschlüssel eröffnet, sollen Bild-, Musik- und Audiodaten für potentielle Käufer einseh- und anhörbar bleiben.Das elektronische Wasserzeichen, etwa die Bezeichnung einer Bildagentur, wird daher direkt in die Bits der Originaldatei eingebettet, ohne ihr Aussehen auffällig zu verändern.Der Namenszug wird dabei buchstabenweise als binäre Null-Eins-Folge an verschiedenen zufällig gewählten Stellen des Bildes versteckt.Die dort stehenden Bits werden umgepolt, bis sie den gewünschten Binärcode zeigen.

Für die Wahl der Bildausschnitte, Kantenlänge acht Pixel, gibt es eine einzige, aber unerläßliche Einschränkung: Das winzige Pixelquadrat muß im mittleren Redundanzbereich liegen.Fotos, Videos, Audioclips und Schriftzeichen verfügen über eine sogenannte Redundanz, eine Art Informations-Überschuß, nach dessen Wegbrechen sich beispielsweise ein G immer noch als G erkennen läßt.

Für den Transport durchs Internet wird die Redundanz weitgehend weggelassen, die Menge der Bits wird regelrecht zusammengestaucht.Gegenüber einer solchen Datenausdünnung muß das digitale Wasserzeichen (fingerprinting) robust sein.Beim Eindampfen werden wenig informative Bereiche wie einfarbige Flächen extrem reduziert - eine Markierung dort würde einfach verschwinden.Veränderungen hochinformativer Bereiche mit wenig Redundanz hingegen verzerren das Bild.

Vor allem aber die Großhändler von Filmen und die Fernsehsender zeigen reges Interesse an dem Copyright-Code.Der Videomarkt boomt und das digitale Fernsehen steht vor der Tür.Ein Eldorado für Raubkopierer, denn noch nie gab es eine so verlockende Möglichkeit für absolut makellose Mitschnitte.

Wolfgang Funke, Zhaos Kollege am Darmstädter IGD, entwickelte daher ein Verfahren, mit dem sich auf digitalem Filmmaterial jedes Einzelbild schon direkt bei der Aufnahme mit mehreren 64-Bit-Mustern markieren läßt.Wird eine Kopie des Films gezogen, wird das Erkennungszeichen mitkopiert.Bei jeder Vorführung prüft dann ein Computer anhand einer Liste von digitalen Wasserzeichen, ob da Urheberrechte übergangen wurden."Das ist der Charme der Methode", freut sich Funke, "alles geht automatisch." Für ihn der technologisch richtige Weg, eine unrechtmäßige Verwendung zu verhindern.

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