Zeitung Heute : Keine Haftung für den Hurrikan und andere Entscheidungen

Mahlzeit. Auch wenn ein Pauschaltourist auf Gran Canaria für die täglich zwei Mahlzeiten die 500 Meter entfernte Nachbaranlage des Hotels aufsuchen muss, was wegen schlechter Bodenverhältnisse beschwerlich ist, kann er nicht nachträglich 50 Prozent des Reisepreises verlangen. Im vorliegenden Fall wurde vom Gericht ein Vergleich in Höhe von einem Achtel des verlangten Preises = 300 Mark vorgeschlagen - und akzeptiert. Amtsgericht München, Aktenzeichen: 272 C 33579 / 99. W. B.

Pool. Bucht eine Familie ihren Urlaub in einer Ferienanlage, deren Pool laut Katalog zusätzlich mit einem Kinderbecken ausgestattet sein soll, jedoch nicht ist, und verfügt das Apartment zwar über die gewünschte Kochgelegenheit, dürfen aber keine Nahrungsmittel mit in die Anlage gebracht werden, so rechtfertigt dies eine Reisepreisminderung, hier von 7,5 Prozent. Urteil des Amtsgerichts München, Aktenzeichen: 212 C 39735 / 98. W. B.

Radeln. Kehrt eine Radwandergruppe in einem Hotel ein und rät ihnen der Hotelier unter Hinweis darauf, dass bei ihm noch nie etwas gestohlen wurde, die Zweiräder im Innenhof abzustellen und abzuschließen, so können die Urlauber keinen Schadenersatz vom Hotelbesitzer verlangen, wenn die Räder dann doch entwendet werden, wenn er ihnen für den Fall des Diebstahls keine Haftungszusage gegeben hat. Landgericht Lüneburg, Aktenzeichen: 4 S 178 / 96. W. B.

Versicherung. Ein von einem Reisebüro vermitteltes "Versicherungspaket", das "alles abdeckt", darf wegen der ungenauen Aussage nicht allzu wörtlich genommen werden. So ist es zum Beispiel nicht zu beanstanden, wenn eine solche Versicherungspolice die Rückzahlung des Reisepreises bei krankheitsbedingtem Abbruch der Reise nicht enthält. Amtsgericht München, Aktenzeichen: 261 C 30305 / 97. W. B.

Yacht. Wird einem Urlauber während eines Landganges der Rucksack vom unbewachten Schiff gestohlen, so muss dafür nicht die Reisegepäckversicherung aufkommen, wenn im Prospekt auf die wachsende Kriminalität in dem Land (hier: Kapverden) hingewiesen worden war. Der Schiffseigner war nicht verpflichtet, einen Safe für Wertgegenstände bereit zu halten. Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 29 C 1040/98-46. W. B.

Hurrikan. Ein Reiseveranstalter kann nicht für Naturkatastrophen wie etwa einen Hurrikan haftbar gemacht werden. Auch für die Folgen wie den Ausfall der Strom- oder Wasserversorgung gibt es keinen Anspruch auf Minderung des Reisepreises. Das berichtet die von der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht in Frankfurt herausgegebene Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" unter Berufung auf ein Urteil des Amtsgerichts Kleve (Aktenzeichen: 3 C 288 / 99). Nach der Urteilsbegründung des Gerichts hat der Reisende bestimmte Risiken, die nicht in der Sphäre des Reiseveranstalters liegen, selbst zu tragen. Das sei etwa gegeben bei einer Beeinträchtigung der Reise durch nicht vorhersehbare höhere Gewalt. In dem verhandelten Fall war eine Urlauberin in der Dominikanischen Republik von Hurrikan "George" überrascht worden.

Storno. Die generelle Beteiligung an den Stornokosten (hier in Höhe von 20 Prozent) ist bei einer Reiserücktrittskostenversicherung weder "überraschend" noch "unangemessen", weil dadurch das Risiko verringert wird, dass Versicherungsfälle "vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführt" werden. Urteil des Amtsgerichts München, Aktenzeichen: 221 C 26298/97. W. B.

Beinbruch. Bricht sich eine ältere Frau bei dem Versuch, trotz stürmischer See von einem Dampfer (hier: vor Helgoland) in ein Beiboot zu steigen ein Bein, so kann sie kein Schmerzensgeld vom Schiffseigner verlangen, da sie die Möglichkeit gehabt hätte, an Bord zu bleiben. Urteil des Landgerichts Itzehoe, Aktenzeichen: 2 O 290/97. W. B.

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