Zeitung Heute : Keine halben Sachen

Vom Studium in die Selbständigkeit: Vier Frauen gründen Vermittlungsagentur

Nadine Prescher

Wer sich bei apunto-connect als Hostess bewirbt, wird in ein Café bestellt. Beate Klein, eine der vier Unternehmensgründerinnen von apunto-connect erklärt: „Ein Büro gibt es nicht, denn das verursacht nur unnötige Kosten.“ Die 31-Jährige wechselte nach der Ausbildung zur Steuerfachgehilfin nach London, um bei Harrods Erfahrungen zu sammeln. Dort stellte sie nach einiger Zeit fest, dass sie ohne Studium keine Aufstiegschancen hatte und begann ein Studium der Kommunikationswissenschaften, Betriebswirtschaftslehre und der Psychologie an der Freien Universität. Neben dem Studium engagierte sich die junge Mutter bei dem Market Team e.V, eine der größten interdisziplinären Studenteninitiativen Deutschlands. „Market Team hat mich gelehrt, dass man mit sehr wenig sehr viel erreichen kann,“ resümiert sie ihre Erfahrungen. Um sich das Studium zu finanzieren, arbeitete sie als Messehostess und erlebte, wie schlecht Unternehmen oft von Hostessen repräsentiert waren. „Dabei ist eine Messe für viele Unternehmen die einzige Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Hostessen sind ein Teil der Unternehmensidentität“, empört sich Beate Klein.

Häufig läge die Ursache für den schlechten Unternehmensauftritt in der mangelnden Einarbeitung der Hostessen durch Marketingabteilungen. Günstiger wäre es, die Personalabteilungen einzubinden. Anfang 2003 fragten Freunde, ob sie nicht eine gute Agentur kenne, die Messehostessen vermittle, worauf Beate Klein apunto-connect gründete. Da sie von halben Sachen nichts hält, meldete sie die Firma als Gewerbe an. Drei Kommilitoninnen unterstützen sie, die ebenfalls neben dem Studium als Hostessen gearbeitet haben und heute ihre Partnerinnen sind. Die Frauen hatten während ihrer gemeinsamen Zeit bei der Studenteninitiative Market Team e.V. getestet, dass sie gut zusammenarbeiten konnten.

Eine erste Unternehmensbilanz zog Beate Klein in ihrer Magisterarbeit: „Die Messehostess als erfolgsrelevanter Faktor in der Unternehmenskommunikation“. Darin stellte sie empirisch fest, was sie in ihrer Firma selbst praktizierte, nämlich Hostessen unternehmensorientiert zu vermitteln, also Pharmaziestudenten auf Pharmaziekongressen einzusetzen. Hintergedanke sei, Studenten schon in der Ausbildung an künftige Arbeitgeber heranzuführen. 2004 reichten sie ihr Unternehmenskonzept beim Businessplanwettbewerb (BPW) der Investitionsbank Berlin-Brandenburg ein, was möglich war, da die Gründung noch nicht länger als 13 Monate zurücklag. In der dritten und entscheidenden Stufe erreichte das FU-Team einen sehr guten 30. Platz von 194 Teams, die in der Endrunde noch dabei waren. Damit hattendie Gründerinnen nicht gerechnet. „Es war nicht einfach mit einer Idee aus dem Dienstleistungsbereich gegen die starke Konkurrenz der technologieorientierten Ideen anzutreten,“ meint Beate Klein. Der Businesswettbewerb ermöglichte es dem Team, ihre Unternehmensziele zu hinterfragen. Besonders wichtig sei ihnen dabei das Feedback der Juroren gewesen. „Außerdem haben wir uns auf den Veranstaltungen des Businessplan-Wettbewerbs mit anderen Unternehmensgründern ausgetauscht und wertvolle Kontakte geknüpft“.

Weiteres im Internet:

www.apunto-connect.de

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben