Zeitung Heute : „Keine Hintergedanken“

Die Afrika-Beauftragte Eid über das deutsche Interesse am schwarzen Kontinent

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USCHI EID (54)

ist Parlamentarische Staatssekretärin

im Ministerium für

wirtschaftliche

Zusammenarbeit

und Entwicklung und G-8-Afrika-Beauftragte des Bundeskanzlers. Foto: dpa

Frau Eid, Bundeskanzler Schröder unternimmt im sechsten Jahr seiner Regierung seine erste Rundreise nach Afrika. Ist das ein Zeichen dafür, dass Rot-Grün diesen Kontinent bislang vernachlässigt hat?

Nein, überhaupt nicht. Spätestens seit dem G8-Gipfel in Genua 2001 betreibt der Kanzler eine aktive Afrika-Politik, die ich als G8-Afrika-Beauftragte für ihn begleitet habe. Es gab außerdem Reisen des Bundespräsidenten, der Ministerinnen und Minister. Sie sehen: Die Afrika-Politik spielt in der Bundesregierung eine wichtige Rolle.

Gibt es in Afrika Veränderungen, die eine neue Aufmerksamkeit rechtfertigen?

Es gibt eine neue konstruktive politische Dynamik in Afrika. Afrikanische Reformpolitiker machen nicht mehr allein externe Faktoren wie den Kolonialismus oder die Weltbank für Missstände und Fehlentwicklungen verantwortlich. Die Organisation für Afrikanische Einheit wurde reformiert, der Grundsatz der Nichteinmischung aufgegeben. Das ist ein wichtiger Paradigmenwechsel. 16 Regierungen bekennen sich nun zu ihrer eigenen Verantwortung und haben erstmals einen Mechanismus der gegenseitigen Beurteilung vereinbart, der Aufschluss über Fortschritte auf dem Weg hin zu Demokratie geben soll.

Afrika gilt als Krisenkontinent. Ist die deutsche Außenpolitik gegenüber dem Kontinent vor allem von humanitären Gesichtspunkten geprägt?

Humanitäre Überlegungen spielen auch eine Rolle, aber es gibt andere Gründe, warum wir uns in Afrika engagieren. Europa, und damit auch Deutschland, hat ein Eigeninteresse daran, dass die Bürgerkriege beendet werden, die Ursachen für Konflikte beseitigt werden und Frieden auf dem Nachbarkontinent herrscht. Wir leben sicherer, wenn der Kontinent stabil wird, die jungen Menschen in Afrika in ihrer Heimat eine Zukunftsperspektive haben. Das Zweite ist: Es gibt Anzeichen dafür, dass sich von Ostafrika bis zu den Maghreb-Staaten ein Gürtel des Islamismus ausbreitet. Deshalb wollen wir helfen, diesen Fundamentalismus einzudämmen und ihm den Nährboden zu entziehen.

Die deutsche Kolonialgeschichte endete schnell mit dem Verlust aller Kolonien im Ersten Weltkrieg. Gibt das Deutschland heute größere Handlungsmöglichkeiten?

Unsere Kolonialgeschichte ist auch sehr belastet, obwohl sie so kurz war. In diesem Jahr gedenken wir des Völkermords an den Herero und Namas in Namibia vor hundert Jahren. Aber wir haben daraus die Konsequenzen gezogen, der Bundestag hat sich etwa zu einer bevorzugten Partnerschaft mit Namibia bekannt. Die Tatsache, dass unser Auftreten als Kolonialherren nicht lange dauerte, hat dazu geführt, dass viele afrikanische Länder uns eine gewisse Neutralität zutrauen. Man vermutet hinter den deutschen Angeboten zur Kooperation keine machtstrategischen Hintergedanken und Interessen. In vielen Ländern wünscht man sich, dass sich Deutschland als neutraler Vermittler und Partner mehr engagiert. Wir versuchen, dem gerecht zu werden.

Die Fragen stellte Hans Monath.

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