Zeitung Heute : Keine Rhapsodie für Intel-Nutzer

Im Wintergarten in der Potsdamer Straße präsentierte Apple letzten Freitag seine neuesten Technologien und informierte über die künftigen Strategien im Hard- und Softwaremarkt.Gekommen waren vor allem Grafikdesigner und Multimedia-Autoren sowie interessierte Apple-Anwender.

Stefan Heimerl, Marketingchef von Apple Deutschland, erläuterte ihnen die fokussierte Strategie im Hardwarebereich."Wir werden uns künftig auf G3-Rechner konzentrieren", sagte er unter Hinweis auf die zuletzt verwirrende und dem Anwender nur schwer zu vermittelnde Produktpalette.Er kündigte an, daß Apple sich auf zwei Desktop- und zwei Portable-Modellreihen beschränken wird, davon jeweils eine im Consumer- und eine im Professional-Marktsegment.Die Einführung des neuen Consumer-Modells iMac auf dem deutschen Markt kündigte er für Anfang September an.Ein neues Portable-Consumer-Modell wird erst Anfang 1999 vorgestellt.Auf wenig Begeisterung wird beim potentiellen Käufer eines iMac die Entscheidung treffen, die SCSI-Schnittstelle, die dem Anschluß externer Geräte dient, wegzurationalisieren.Doch Stefan Heimerl verwies hier auf den neu integrierten Universal Serial Bus.Geräte für diesen Bus sind jedoch noch nicht sehr verbreitet.

Auch die neue Strategie im Bereich des Macintosh Betriebssystems MacOS findet unter Apple-Nutzern und -Entwicklern nicht nur positives Echo.Hier hat Apple in den letzten Jahren viel an Terrain verloren.Erst mit dem Aufkauf der Firma Next und der damit verbundenen Rückkehr des Apple-Mitbegründers Steve Jobs hat sich unter den Mac-Nutzern Optimismus verbreitet.MacOS 8.0 und das aktuelle MacOS 8 deuten auf eine Rückkehr zu alten Tugenden: Benutzerfreundlichkeit und hohe Multimedia-Integration.Doch in punkto Systemstabilität, Netzwerkunterstützung und Multitasking, die Bezeichnung für paralleles Ausführen mehrerer Programme, ist das Betriebssystem noch immer verbesserungsbedürftig.Hier hat vor allem Windows NT deutliche Vorteile.Mit Next hat Apple vor allem Rhapsody gekauft, das die Basis für das künftige MacOS X, sprich zehn, bilden wird.Ursprünglich sollte Rhapsody selbst das künftige Betriebssystem sein, aber vor allem der Einspruch von Apple-Entwicklern, die eine mangelnde Abwärtskompatibilität sowie einen hohen Änderungsaufwand bei bestehenden Programmen befürchteten, als auch die Befürchtung, die Mac-Anwender zu verunsichern, hat Apple bewogen Rhapsody nach anfänglich eigenständiger Entwicklung in einem nächsten Schritt mit dem bisherigen MacOS zu verschmelzen.MacOS 8.1 wird bis dahin separat weiterentwickelt und sehr wahrscheinlich auch darüber hinaus.Zunächst wird jedoch das bisher unter dem Namen Allegro entwickelte Betriebssystem als MacOS 8.5 auf den Markt kommen.

Verwirrend ist vor allem die Strategie in Hinblick auf die Rechner der Windows-Welt also Rechner mit Intel-Architektur.Sollte Rhapsody noch auf Intel-Rechnern laufen, so wird dies für MacOS X nicht mehr gelten.Wie Stefan Heimerl gegenüber dem Tagesspiegel äußerte, wird zwar die im Herbst erscheinende Rhapsody Commercial Release auf Intel-Rechnern laufen, die Entwicklung für die Intel-Rechner danach jedoch nicht fortgeführt.Rhapsody soll zwar vor allem im Server-Bereich gegen Windows NT - und Unix - antreten, nicht aber auf Intel-Rechnern.Das ist eine klare Entscheidung zugunsten der eigenen Hardware und eine klare Entscheidung gegen die Ausweitung der Softwareaktivitäten im Bereich Betriebssysteme auf andere Hardwareplattformen.Weshalb Rhapsody dann überhaupt erst für Intel-Rechner zur Verfügung gestellt wird, daß konnte oder wollte Stefan Heimerl nicht schlüssig erläutern.Möglich, daß Apple damit testen will, wie die Resonanz bei den Betreibern von Servern mit Intel-Hardware ist - und vielleicht bei entsprechend starkem Echo eine weitere Kehrtwendung vollziehen wird.TOM VIERKE

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