Zeitung Heute : Keine Volksaktie in gelb-blau

Bernd Hops

Die Postbank kommt jetzt nun doch noch an die Börse. Zwar nicht wie ursprünglich geplant an diesem Montag, sondern erst zwei Tage später. Außerdem werden nur zwei Drittel der zunächst gewünschten Aktien verkauft. Aber die komplette Absage ist vermieden worden. Das lässt sich die Deutsche Post, die Mutter der Postbank, einiges Kosten. Sie hat die Preisspanne, innerhalb der sich die Zeichnungsaufträge der Großinvestoren und Privatanleger bewegen müssen, deutlich gesenkt. Ursprünglich verlangte der Konzern 31,50 bis 36,50 Euro je Aktie. Jetzt werden es 28 bis 32 Euro sein.

Privatanleger, die bereits gezeichnet haben oder noch zeichnen wollen, können ihre Aufträge bis kommenden Dienstag, 12 Uhr, ändern beziehungsweise abgeben. Auch eine Rücknahme der Zeichnung ist möglich. Nicht limitierte Aufträge werden automatisch von den Banken umgestellt. Niemand muss also 36,50 Euro zahlen, wenn er es nicht mehr rechtzeitig zur Bank schafft.

Aber auch, wenn die Post die Postbank-Aktie jetzt etwas billiger gemacht hat, ist sie noch keine Volksaktie, die jeder haben muss. Gegen diesen Titel hat sich die Postbank sogar selber gewehrt. Das Unternehmen arbeitet zwar profitabel und hat überschaubare Risiken. Auch eine Dividende ist in Aussicht gestellt worden. Doch die Querelen der vergangenen Monate haben die Lage sehr unübersichtlich gemacht. Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte abwarten und sich genau anschauen, wie sich die Aktie entwickelt. Bei der aktuellen Stimmung an den Börsen ist ohnehin nicht damit zu rechnen, dass der Kurs schnell steigt.

Neben der neuen Preisspanne greift die Post zu einem zweiten Mittel, um ihre Postbank-Aktien an die Investoren zu bringen. Sie begiebt eine Umtauschanleihe. Damit will sie auch das eine Drittel der Aktien absetzen, das sie zunächst nicht direkt an die Börse bringen kann. In drei Jahren können die Käufer der Umtauschanleihe nämlich entscheiden, ob sie ihr Geld zurückhaben oder sich in Postbank-Aktien auszahlen lassen wollen. Über diese Option brauchen sich Privatanleger aber vorerst keine Gedanken machen. Die Anleihe soll nur an institutionelle Investoren wie Fonds oder Versicherungen verkauft werden.

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