Zeitung Heute : Kick ohne DJ

jmn

Rockers Hi-Fi und ihr "Black Album" in der Kulturbrauerei Die Attitüde steht ihm: Glyn Bush, in T-Shirt und Latzhose, gibt den Typ des bebrillten, geistesbegabten Klangwerkers mit Arbeitercharme, der das Mischpult vor sich wahlweise wie glühendes Eisen oder eine Diplomaufgabe behandelt.Hochkonzentriert, denn es muß auch grooven, wenn man grüblerisch die Stirn in Falten legt.Aufklärer kennen keinen Feierabend. Auch nicht in dieser Nacht in der Kulturbrauerei, als es darum ging, das Neueste aus der "DJ Kicks"-Reihe, das "Black Album", vorzustellen.Das Bush-Pendant Richard Whittingham darf dazu mit dem Oberkörper wackeln.Zusammen sind sie Rockers Hi-Fi und verkörpern mit einigem Erfolg den schönen Slogan "In dub we trust".Ach ja, und dann ist da Farda P., ein rundlicher Rasta-Mann, der kraft seiner Stimme jedes Brachgelände binnen weniger Beats in einen jamaikanischen Strand verwandeln kann.Eigentlich war er zuerst da und sollte "DJ Kicks" im Alleingang fortsetzen.Die Rockers müssen gedrängelt haben; verständlich, denn nachdem Nicolette und Kruder & Dorfmeister für die Serie produziert haben, gilt "DJ Kicks" als Ritterschlag für die gelungene Synthese von Avantgarde und Kommerz. "DJ Kicks" live kann dagegen nicht mehr sein als eine Inszenierung, visuell untermaltes Plattenauflegen, ein besserer Club-Abend mit knapp bemessenen Vokal-Einlagen.An das Konzept haben sich Rockers Hi-Fi brav gehalten und ihren Auftritt in einer bunt-visionären Optik aus tanzenden Schaltkreisen und Kabelsalat verpackt.Ihr "Black Album" aber haben sie dennoch an Auftrag und Bedarf vorbeiproduziert.Der Tüftel-Trip-Hop des Duos paßt besser in die Anlage.Vielleicht ist die Reihe auf dem falschen Weg: für den Kick braucht man keinen DJ mehr. jmn

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