Zeitung Heute : Kids surfen teuer

HOLGER SCHLÖSSER

Viele kommerzielle Anbieter / Jugendclubs ans Netz angeschlossenVON HOLGER SCHLÖSSERSchulen sind auf dem besten Weg, Kindern und Jugendlichen einen Zugang zur schönen neuen Medienwelt zu verschaffen.Trotz aller Probleme, die diesen Schritt begleiten - von der Finanzierung über die Ausbildung der Lehrer bis hin zur Wartung: Computer und Internet werden zunehmend zum integralen Bestandteil des Unterrichts.Doch nach der Schule ist mit der Integration der neuen Medien in den Alltag Schluß.Für die meisten, denen die Eltern weder Rechner noch Provider bezahlen können, bleibt nur der Gang ins Internet-Café, wenn sie in virtuellen Welten surfen wollen.Ein nicht ganz billiges Vergnügen.Für eine Stunde surfen, mailen, chatten müssen im angesagten "Alpha", einem Internet-Café in der Dunckerstraße in Prenzlauer Berg, immerhin 14 Mark Taschengeld auf den Tisch gelegt werden.Lediglich im "Independent Living", einem sozialen Projekt in der Anklamer Straße (S-Bahn Nordbahnhof), sind es nur zwei Mark die Stunde.Kostenlose Terminals sind trotz der großen Nachfrage spärlich gesät.Die Karstadt AG bietet im "Sport-Megastore" am Zoo neben einer Halfpipe für Akrobatikkunststücke der Inline-Skater auch acht Internet-Terminals, die das jugendliche Publikum anlocken sollen.Einige Bibliotheken wie die Jugendbibliothek "Hallescher Komet" der Amerika Gedenkbibliothek bieten den Besuchern ebenfalls einen kostenlosen Zugang - nach vorheriger Anmeldung.Dabei wäre es durchaus zu begrüßen, wenn sich Jugendlichen mehr Möglichkeiten böte, einmal ohne die Kontrolle des Lehrers im Netz zu stöbern.In Schöneberg gibt es jetzt dieses Angebot.Am Mittwoch wurde im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative "Mediapolis" der Deutschen Telekom und des Landes Berlin und der ressortübergreifenden Initiative "Projekt Zukunft - Der Berliner Weg in die Informationsgesellschaft" die Einrichtung von fünf Internet Cafés vereinbart.Kinder und Jugendliche in den Bezirken Hellersdorf, Kreuzberg, Lichtenberg und Schöneberg werden künftig in einem Jugendclub die Möglichkeit zum Surfen haben.Dazu kommt eine mobile Einrichtung, die zwischen den Bezirken pendeln kann.Die Finanzierung von fast 540 000 Mark übernahmen zu je einem Viertel die Berkom GmbH, ein Tochterunternehmen der Deutschen Telekom und die Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin und zur Hälfte die Träger der Projekte.Die Senatorin für Schule, Jugend und Sport, Ingrid Stahmer, ließ es sich nicht nehmen, die erste Einrichtung dieser Art im Pestalozzi-Fröbel-Haus einzuweihen: Das Internet-Café "Netti".Schließlich hatte sie, wie sie den versammelten Journalisten erklärte, in der Berufsfachschule vor 33 Jahren ihr erstes Berufspraktikum absolviert und so die Schnittstelle von "Praxis und Theorie" in der 125 Jahre alten Institution selbst erleben können.Besonders erfreut zeigte sich die Senatorin von der guten Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom."Politik und Wirtschaft stehen in der gemeinsamen Verantwortung, den Kindern und Jugendlichen einen sinnvollen Umgang mit den neuen Medien zu ermöglichen.Die Einrichtung der fünf Internet-Cafés in Jugendfreizeiteinrichtungen ist jugendpolisch sehr bedeutsam, weil sie helfen, Medienkompetenz zu vermitteln." Und nebenbei sorgen die Einrichtungen für Chancengleichheit unter den Jugendlichen."So haben nicht nur diejenigen einen Zugang, die ohnehin von zuhause aus gute Möglichkeiten haben", sagte Stahmer.Die Senatorin hat noch viel vor: Analog zur Initiative "Schulen ans Netz", kann sie sich auch eine Initiative "Jugendfreizeitstätten ans Netz" vorstellen.Doch das ist Zukunftsmusik.Denn sogar die Finanzierung des Jugendclub-Projekts ist nur für 1998 gesichert. "Netti - das Spinnenwerk-Internet-Café" befindet sich in der Karl-Schrader-Straße 7/8 in Schöneberg und ist werktags in der Zeit von 15 Uhr 30 bis 20 Uhr geöffnet.Gruppen können unter 217 30 181 Sondertermine vereinbaren

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