Zeitung Heute : Kill the DJ!

Gunter Becker

Es gibt DJs, die machen sich selbst überflüssig.Sie legen dem Clubvolkdie Produktionsmittel in die eigenen Hände und räumen den Platzhinterm Plattenteller für Maschinen. AUDIOROM aus London sind so einFall."Trigger Happy" heisst eine Soundinstallation, mit der dieEngländer seit zwei Jahren durch Clubs und Gallerien touren.Bis zu 11Personen steuern dabei über Lichtsensoren selbst den Mix, zu dem sietanzen.Mit ihrer CD ROM "Shiftcontrol" haben AUDIOROM in diesemJahr noch einen nachgelegt.Die Software erlaubt es dem User, sichzuhause am Rechner seinen eigenen Drum´n´Bass zusammenbasteln.DenSound mischt man, indem man Bilder malt oder Gedichte schreibt -kinderleicht. Seit gestern sind AUDIOROM mit ihren clubtauglichen Klangkörpern zumersten Mal in Berlin.Eingeladen hat sie " kunst und technik " [kt], eine Ateliergemeinschaft von Künstlern und Architekten, die seit zwei Jahrenim Monbijoupark in Mitte residieren.Dort hat [kt] einenunscheinbaren Flachbau - mit dunkler Vergangenheit als Tierlabor derCharité - zur Homebase für ungewöhnliche Stadtplanungsprojekte undMultimediakunst umgegebaut.Für vier Tage (und vor allem Nächte) istdie Location jetzt Austragungsort eines Clubevents der etwas anderenArt.DJs und Projekte sind eingeladen, unser traditionelles Verständnisvon dem, was normalerweise auf einer Tanzfläche geschieht um einigeNuancen zu erweitern. Das plant auch ein weiter Gast aus London, RobinRimbaud, aka SCANNER .Der ist vor einigen Jahren als "telephone terrorist" über die Technoszene hinaus bekannt geworden, weil er illegal mitgeschnittene Telefongespräche in seine Tracks eingebaut hat.Mittlerweile gehört SCANNER fast schon zum Establishment.Als "cultural engineer" tourt er durch die Welt, lehrt an Kunsthochschulen,kuratiert Ausstellungen, arbeitet mit Laurie Anderson und Bryan Ferry, komponiert Balletmusik für die Pariser Oper und hat jüngsteine CD über den verstorbenen UK-Regisseur Derek Jarmann herausgegeben.Ein reisender Handelsvertreter in Knowledge und Synergien. Ebenfalls auf der Flucht vor dem Korsett Band/Bühne/Publikum sindSUPERLIVE, die "Disco-Band" ehemaliger Kombattanten derNoisecore-Legende Caspar Brötzmann Massaker.SUPERLIVE wollen "Musik zumWohl-fühlen" machen, spielen aber hinter Tarnnetzen und bisweilen dieganze Nacht hindurch - um die "frontale Bühnensituation" eineskonventionellen Konzerts aufzulösen, wie sie sagen.Weitere Gäste sindSIGNAL aus Chemnitz und Markus Klinkuschs 3sec/loop aus Berlin. Der Club als Labor, der Konsument als Versuchskarnickel - das istProgramm bei kunst und technik.Die Verhaltensmuster vonKunstkonsumenten sollen auf den Prüfstand gestellt werden, neuePräsentationsformen werden ausprobiert.Aktuell arbeitet die Gruppe anihrem Projekt AUGMENT.Ausstellungsbesucher sollen dann mit kleinenmobilen Geräte ausgerüstet werden, die der physischen Realität nocheine zweite virtuelle Ebene hinzufügen.Im nächsten Jahr, zur Triennaleder Photographie in Hamburg, wird AUGMENT eine Ausstellung desFotografen F.C.Gundlach in den Deichtorhallen begleiten. hier gehts zum Programm

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