Zeitung Heute : Kinderfilmfest: Auf ins Kino!

Inka Lehmann

Ganz schön blöd, den ganzen Tag allein zu sein, weil die Eltern arbeiten. Zarah ist fünf und lebt in Teheran, der Hauptstadt des Iran. In ihrem Haus gibt es Teppiche und Möbel, einen Innenhof mit einem Teich, aber kaum was zum Spielen. Jeden Morgen sagt Zarahs Vater: "Das Telefon ist nur für Notfälle!". Und kurz darauf ruft Zarah an: "Mir ist so langweilig!" Doch bald findet die Heldin aus dem Film Choori einen Freund: ein kleines Küken, das sich ein Bein gebrochen hat. Und das muss geheilt werden.

Freundschaften kommen immer wieder vor in den elf Spielfilmen des Kinderfilmfests der Berlinale. Zwischen dem indischen Jungen Omi und seiner kanadischen Cousine Safia in Die Reise nach Ottawa zum Beispiel oder zwischen Virginia und ihrem Pferd Stormy in Virginias Rennen. Am Ende wird einer dieser Filme den Gläsernen Bären gewinnen. Zu den Premieren im Zoo Palast kommen die Regisseure und viele der Schauspieler, auch die sechsjährige Sara Bonyas, die Zarah in Choori gespielt hat.

Anregungen für Streiche kriegt ihr in Die Kinder meiner Schwester aus Dänemark holen. Onkel Erik, Professor für Kinderpsychologie, soll in den Ferien seine fünf Neffen und Nichten hüten. Kann nur schiefgehen, denkst du. Aber Onkel Erik ist einfach klasse! Abenteuerlich wird es, als er und die Kinder beschließen, heimlich das Haus der Familie zu renovieren, das die Eltern verkaufen, die Kinder aber behalten wollen. Leider ist dann die Maklerin so begeistert von den Verschönerungen, dass nun erst recht verkauft werden soll. Urplötzlich steht der Keller voll Wasser, und über den Flur laufen weiße Mäuse. Kaum sind Maklerin und verschreckte Käufer weg, fließt das Wasser zurück in den Swimmingpool der Nachbarin, und die Mäuse sitzen wieder im Käfig.

Einschnitte ist etwas für die Älteren ab 11 Jahre. Viktor liebt und bewundert seinen großen Bruder Ole, den Eishockeychampion des Ortes und Helden aller Kinder. Doch Ole bekommt Leukämie, eine gefährliche Krankheit, von der man sterben kann. Die Eltern sind so hilflos, dass sie mit Viktor nicht darüber sprechen. Stück für Stück erfährt der Junge, was mit seinem Bruder los ist. Und mit jedem Stück wird er ein bisschen erwachsener.

Außer den Spielfilmen gibt es im Kinderfilmfest 14 Kurzfilme. Die meisten von ihnen erzählen von anderen Ländern. In Liefertag erlebst du den Alltag der elfjährigen Trang, die mit ihrer Familie auf einem Flüchtlingsschiff von Vietnam nach Australien gekommen ist. Mabul (das ist Hebräisch und heißt Flut) erzählt von Yomi und seinem Bruder Tomer, der in einer ganz eigenen Welt lebt. Der Brief spielt in einem Flüchtlingslager in Bosnien-Herzegowina. Enes hat durch eine Landmine ein Bein verloren und zerbricht beim Spiel seine Krücke. Eine Katastrophe, denn nun kann er nicht mehr laufen, spielen oder zur Schule gehen. Was soll er jetzt machen?

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