Zeitung Heute : Kinderpornographie im Internet weiter offen angeboten und genutzt

BERLIN (Tsp).Ungeachtet des Kinderporno-Skandals wird im Internet weiterhin Kinderpornographie offen angeboten.Auch Konsumenten lassen sich offenbar nicht abschrecken und nutzen die Angebote nach wie vor, obwohl bekannt ist, daß dies strafbar ist.Einem Berliner Computer-Experten gelang es nach eigenen Angaben sogar, Nutzer dieser Angebote so zu identifizieren, daß Namen juristisch ermittelt werden könnten.Unterdessen verlautete, daß die Berliner Polizei im Fall des 1993 vermißten Berliner Jungen Manuel Schadwald ein in Rom verhaftetes mutmaßliches Mitglied der holländischen Kinderpornobande verhören will.

Die Berliner Kriminalpolizei beantragte über Interpol in Rom die Vernehmung des wegen Mordes beschuldigten Robbie van der P.Er soll Medienvertretern gegenüber ausgesagt haben, daß der inzwischen verurteilte Deutsche Lothar G.mehrere Kinder aus Berlin, darunter angeblich auch den damals zwölfjährigen Manuel Schadwald, für ein Kinderbordell in Rotterdam verschleppt habe.Eine Antwort auf das Vernehmungsersuchen lag der Berliner Polizei bis Sonntag abend nicht vor.

Die belgische Vereinigung gegen Pornographie, "Morkhoven", hatte erklärt, es gebe keinen Zweifel daran, daß Manuel das Opfer von Kinderschändern geworden sei.Demgegenüber betonte nun die Berliner Polizei, daß es trotz intensiver Zusammenarbeit mit den niederländischen Behörden bis zum heutigen Zeitpunkt keine konkreten Hinweise darauf gebe, daß der Junge "Kontakte zur Kinderpornoszene hatte, sich in dieser befindet oder befand".Es gebe weder Porno-Bilder mit ihm noch Erkenntnisse, daß er sich jemals in Rotterdam oder Amsterdam aufgehalten habe.

Die belgische Bürgerinitiative "Morkhoven", die den jüngsten Skandal aufgedeckt hat, ermittelte E-Mail-Adressen von 60 Berlinern.Die Berliner Polizei verfolgt diese Fälle.

Nach Angaben des Computer-Experten können Nutzer von Kinderpornographie elektronisch ermittelt werden.Dies sei mit relativ einfachen Mitteln möglich.Das bedeute zugleich, daß die Berliner Polizei nicht darauf angewiesen sei, von dritter Seite Hinweise zu bekommen, sondern selbst recherchieren könnte, wer in Berlin Kinderpornographie über Internet konsumiert und sich damit strafbar macht.Das eigentliche Problem bestehe darin, nach der Ermittlung anonymisierter elektronischer Adressen die wahre Identität herauszufinden.Dabei gebe es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, die Anonymität aufzuheben.

Unterdessen ist die Fahndung nach den Drahtziehern des niederländischen Kinderschänderrings durch die Weigerung der Bürgerinitiative "Morkhoven" erschwert worden, mit der Polizei zusammenzuarbeiten.Presseberichten zufolge soll der selbsternannte Privatdetektiv Marcel Vervloesem, der den Fall ins Rollen gebracht hat, wegen eines Sittendelikts vorbestraft sein.Am Wochenende verlangte die Bundesregierung - wie berichtet - eine stärkere internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen Kinderpornographie.Mit Blick auf den Skandal in den Niederlanden sagte Bundeskanzler Kohl, die weltweite Zusammenarbeit im Kinder- und Jugendschutz müsse intensiviert werden.

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