KINDERSPITAL ZÜRICH : Es wird wieder beschnitten

Selbst in der Schweiz hat sich das Kölner Beschneidungsurteil von Ende Juni ausgewirkt: Das Kinderspital Zürich hatte am 5. Juli einen Stopp von medizinisch nicht notwendigen Beschneidungen verfügt. Nun teilte das Krankenhaus mit, dass solche Eingriffe wieder durchgeführt werden. Künftig werde bei medizinisch nicht indizierten Beschneidungen „eine Einzelfallabwägung mit sorgfältiger Prüfung des Kindeswohls“ vorgenommen, heißt es in einer Pressemitteilung vom Freitag. Nach positiver Bewertung müssen zudem beide Eltern die Aufklärung durch die Klinik und das

Einverständnis für den Eingriff schriftlich erklären. Zwar bestehe weiterhin ein „Zielkonflikt“: „Einerseits verletzt der irreversible Eingriff ohne Zustimmung des urteilsfähigen Kindes dessen Anspruch auf körperliche Unversehrtheit, andererseits stehen diesem die möglichen negativen sozialen, soziokulturellen und religiösen Konsequenzen einer Eingriffsverweigerung gegenüber.“ Gesellschaft, Kultur und Politik hätten nach Ansicht des Leitenden Oberstaatsanwalts diese Beschneidungspraxis jedoch bisher akzeptiert. Zum heutigen Zeitpunkt sei „nicht damit zu rechnen, dass gegen einen ausführenden Arzt Anklage erhoben würde“. sc

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