Zeitung Heute : Kinderstunden

Hans Monath

Was wird heute wichtig?

Ganz familiär. Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) glaubt nicht daran, dass ein Aufbruch hin zum Ziel einer kinderfreundlicheren Gesellschaft durch staatlichen Dirigismus und scharfe Gesetze zu bewerkstelligen ist. Vielmehr setzt die Ministerin auf die Zusammenarbeit mit wichtigen gesellschaftlichen Kräften wie Wirtschaft, Gewerkschaften, Kirchen und Wohlfahrtsverbänden, die alle aus eigener Überzeugung und in eigenem Interesse Verbesserungen für Kinder und Eltern befürworten und bereit sind, dazu auch durch eigene Leistungen beizutragen. Einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg hin zu mehr Familienfreundlichkeit ist die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Anders als etwa in Frankreich oder skandinavischen Ländern ist es in Deutschland nicht selbstverständlich, dass genügend Krippen- und Kindergartenplätze sowie Ganztagsschulen Eltern die Aufnahme oder weitere Ausübung einer Arbeit erlauben. Um den Ausbau der Betreuungsmöglichkeiten bemüht sich die rot-grüne Bundesregierung nun. Aber auch Betriebe können viel dazu beitragen, dass sich Beruf und Familie besser vereinbaren lassen. Heute wirbt die Ministerin auf einer Tagung des deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gemeinsam mit dessen Chef Michael Sommer für eine familienfreundliche Unternehmenskultur. Dazu können auch Betriebsräte einen großen Beitrag leisten, wenn sie die Wünsche ihrer Belegschaften ernst nehmen und für sie werben. Denn die Erwartungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an einen familienfreundlichen Betrieb sind groß, wie eine von der Hans-Böckler-Stiftung des DGB und dem Familienministerium in Auftrag gegebene Umfrage bei 2000 Beschäftigten ergab. Demnach hält ein Drittel der Befragten die persönlichen Arbeitsbedingungen nicht für familienfreundlich. Vor allem die Arbeitszeit würde die Mehrheit der Arbeitnehmer gerne verkürzen. Die meisten Beschäftigten sind sehr daran interessiert, auch während der Elternzeit mit ihrem Betrieb in Verbindung zu bleiben. Für wichtig halten die meisten Befragten auch betriebliche Sozialleistungen wie Sonderurlaub bei Krankheit des Kindes, Notfallbetreuung oder finanzielle Unterstützung – doch dies wird ihnen in der Regel noch nicht geboten.

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