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KINOMÄRCHENLe Havre : Alles wird gut

07.09.2011 11:59 Uhrvon
Foto: PandoraBild vergrößern
Foto: Pandora

Ein Flüchtling, dem alle Welt hilft, ein Film in bilderbuchbunten Farben: Es war einmal in Kaurismäki-Land. Hier in „Le Havre“ wohnt der Schuhputzer Marcel Marx, der einst ein Pariser Bohemien war (André Wilms aus Kaurismäkis „Das Leben der Bohème“ von 1991) mit seiner Frau Arletty (Kati Outinen). Sie führen ein bescheidenes, beschauliches Leben, bis Marcel an einen afrikanischen Jungen gerät, dem die Abschiebung droht. Die Bäckerin, der Gemüsemann, die Barfrau, der Altrocker Little Joe (als er selber), sogar der Kommissar (Jean-Pierre Darroussin) - sie alle sorgen dafür, dass die Polizei den Jungen nicht erwischt, und beschaffen das Geld für eine Schiffspassage nach London.

Es ist, als ob Kaurismäki, der Meistermelancholiker aus Finnland, die eigene Kunst auf die Probe stellen will. Seit jeher sind seine Kinogeschichten den Verlierern gewidmet, deshalb die anarchische Lakonie.

Aber wie sähe ein Film aus, mag Kaurismäki sich gefragt haben, in dem ausnahmsweise keiner verliert und wo es nur so wimmelt vor herzensguten Menschen, vor solidarischen, anständigen Leuten? Er muss zu dem Schluss gekommen sein, dass das nicht anders geht als in Form eines minimalistischen Märchens. Typisierte Figuren, schlichte Sätze, aufgesagte Dialoge, naive Malerei. So realistisch ist er nun mal. Ein Film wie ein kleines Wunder, der dem Zuschauer am Ende ein großes Wunder beschert. Der Junge ist gerettet, und als sei das des Glücks nicht genug, kommt Marcels unheilbar erkrankte Frau aus dem Krankenhaus gesund wieder nach Hause. Laila, der Hund, wedelt mit dem Schwanz, der Kirschbaum blüht, es ist das Paradies, möglicherweise.

Vertraute Namen, vertraute Gesichter. „Le Havre“ ist auch eine Wiederbegegnung mit Kaurismäkis Filmfamilie: So hat Jean-Pierre Léaud (der Auftragsmörder aus „I Hired a Contract Killer“) zwei wunderbare Kurzauftritte als Denunziant und zittriger Bösewicht. Auch vor Frankreichs Künstlern verbeugt sich Kaurismäki, jeder Name eine Hommage: an den Kinomärchenerzähler Marcel Carné, an Arletty, dessen Star aus „Die Kinder des Olymp“ und viele andere mehr - Reminiszenzen an das alte Europa. Wird Kaurismäki etwa nostalgisch? „Le Havre“ beschwört eine Welt, die es nicht (mehr) gibt und jede realistische politische Vorstellung hoffnungslos übersteigt: einen Hafen der Brüderlichkeit, mitten in der Festung Europa. Melo-Märchen. Christiane Peitz

FIN/F/D 2011, 93 Min., R: Aki Kaurismäki,

D: André Wilms, Kati Outinen, Blondin Miguel

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