Zeitung Heute : Kirche, Musik und etwas Sozialarbeit

Friederike Treu studiert in Halle. Sie profitiert von den günstigen Bedingungen in Sachsen-Anhalt.

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Vollzeitstudium, Vollzeitjob. Friederike Treu studiert Kirchenmusik in Halle. Foto: privat
Vollzeitstudium, Vollzeitjob. Friederike Treu studiert Kirchenmusik in Halle. Foto: privat

Im Moment kann Friederike Treu sonntags noch ausschlafen. „Ich genieße das sehr, denn später muss ich an diesem Tag ja immer arbeiten.“ Die 25-Jährige hat sich für einen Beruf voller Sonn- und Feiertagsdienste entschieden: Seit 2006 lässt sie sich an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Halle an der Saale zur Diplom-Kirchenmusikerin ausbilden. Dabei hat sie die zeitintensivste Variante gewählt: ein Kombinationsstudium, in dem sie auch noch das Fach Musik auf Lehramt belegt hat.

Musik und die Arbeit in der Gemeinde spielen in ihrem Leben nicht erst seit dem Studienbeginn eine große Rolle. Schon als Kind begann sie, Klavier zu spielen und zu singen. Deshalb konnte sie die hohen Anforderungen der Aufnahmeprüfung erfüllen, in der Leistungen auf dem Klavier, an der Orgel, im Gesang und den musiktheoretischen Fächern geprüft werden. Für die Kirchenmusik und gegen ein Studium an einer normalen Musikhochschule hat sich Friederike Treu entschieden, weil das Studium so breit gefächert ist. Neben verschiedenen Instrumenten nimmt auch die Chorarbeit einen großen Teil ihrer Arbeit ein – sie arbeitet unter anderem als Chorassistentin.

„Chorarbeit ist auch Sozialarbeit“, sagt sie nüchtern. Wer sich für ihren Studiengang entscheidet, sollte deshalb nicht nur die Musik lieben, sondern auch Offenheit mitbringen. Und wirklich Lust darauf haben, mit Menschen zu arbeiten, auch wenn diese keinen professionellen Musiker sind: „In der Chorarbeit haben wir mit Laien aller Altersgruppen zu tun, von Kindern bis zu Senioren.“

Neben dem Studiengang von Friederike Treu, der sich heute in einen Bachelor- und einen Master-Teil untergliedert, kann man an der Evangelischen Hochschule auch Orgel, Chor- und Orchesterleitung sowie Konzert- und Oratoriengesang studieren. In und um Halle können die Studenten zudem auf Konzerten Praxiserfahrung sammeln. Sie profitieren dabei von der langen Musiktradition in Mitteldeutschland. Man muss zweimal nachfragen, wenn Friederike Treu die Gesamtzahl der Studenten an ihrer Hochschule nennt: 67. „Bei uns ist es sehr familiär, unsere Dozenten nehmen sich viel Zeit für uns, mit manchen sind wir per du.“

Zugegeben, diese Betreuungsquote dürfte sogar für Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich sein. Doch auch an anderen Einrichtungen, etwa an der 1991 gegründeten Hochschule Magdeburg-Stendal, sind die personellen Rahmenbedingungen vielversprechend. Auf die rund 6400 Studierenden kommen insgesamt 130 Professoren. Im Angebot der Hochschule ist zum Beispiel ein Bachelor im Bereich Kita-Management.

Unkompliziert ist in Sachsen-Anhalt auch die Wohnungssuche. Einen besonderen Luxus bietet den Kommilitonen von Friederike Treu das Schlesische Konvikt in Halle. In diesem Wohnheim steht in fast jedem Zimmer ein Klavier, oft sogar ein Flügel. Friederike Treu hat sich jedoch gegen ein Wohnheim entschieden, sie lebt mit einer Freundin in einer Zweier-WG. Dafür bezahlt sie 200 Euro, und liegt damit noch unter dem durchschnittlichen Mietsatz von 216 Euro, den der Lebenskostenrechner der Zeitschrift Unicum für die Stadt Halle angibt.

Die 25-Jährige muss gleich weiter zum nächsten Termin, sie weist aber noch auf einen Punkt hin, der ihr besonders wichtig ist: „Unser Beruf kostet viel Zeit, deshalb ist es gut, dass wir schon in der Ausbildung lernen, wie wir einen Burn-out vermeiden können.“ Gemeinsam mit ihren Kommilitonen arbeitet sie deshalb immer wieder daran, in ihrem Studienalltag Prioritäten zu setzen. „Wir müssen ja auch später im Beruf klarmachen, dass wir uns nicht verbraten lassen.“ Denn Überstunden gehören auch in kirchlichen Berufen zum Alltag.

Vielleicht konzentriert sich Friederike Treu nach dem Examen aber auch auf die andere Hälfte ihres Kombinationsstudiengangs: das Lehramt. „Ich kann mir auch vorstellen, an einer Schule in kirchlicher Trägerschaft zu arbeiten.“ Dann hätte sie sonntags weiterhin frei. Rita Nikolow

Infos und Kontakt:

www.studieren-in-sachsen-anhalt.de

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