Zeitung Heute : Klappe gehört zum Handwerk

Die private Filmschauspielschule Berlin bildet Talente für Film, Fernsehen und Theater aus

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Norbert Ghafouri, Schauspieler und Regisseur (l.), bietet seit April 2005 mit seiner Filmschauspielschule Berlin eine umfassende,...

Norbert Ghafouri ist ein Menschenkenner. Die Frage, was unser Innerstes ausmacht, hat ihn stets geleitet, auch, als er noch Biologie studierte – obschon da längst sein Interesse für die Schauspielerei geweckt war. Für seine Ausbildung an einer Schauspielschule ließ er sich Zeit, er entschied sich erst einmal für die Naturwissenschaft. Und folgte schließlich doch seiner zweiten Leidenschaft, versuchte es im Studiengang Schauspiel an der Universität der Künste in Berlin und wurde angenommen. Man könnte meinen, die Sphären des Wissenschaftlichen und des Musischen seien einander fremd, aber so denkt Ghafouri nicht, der heute sowohl als Schauspieler erfolgreich ist, wie auch erfolgreich Schauspiel lehrt.

Seit nunmehr 15 Jahren betreibt Norbert Ghafouri die Coaching Company in Berlin, seit fünf Jahren die Filmschauspielschule, die erste Institution in Deutschland, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Schauspieler nicht nur fürs Theater, sondern auch für die Kamera auszubilden. Er selbst begann seine Karriere im Grunde höchst glücklich. Er debütierte nach der Ausbildung an der Freien Volksbühne Berlin und bekam anschließend einen Anfängervertrag in Kaiserslautern, spielte große Rollen, und wurde daneben gleich fürs Fernsehen engagiert. Dort allerdings merkte er, „dass ich für die Kamera überhaupt nicht vorbereitet bin.“ Die technischen Anforderungen am Set, die erfüllte er zwar, „aber zum Spielen bin ich darüber nicht gekommen.“ Eine frustrierende Erfahrung. Doch sich fortan aufs Theater beschränken? „Nein, ein Schauspieler steht auf zwei Beinen“, findet Ghafouri, „die Arbeit vor der Kamera ist genau so wichtig und spannend wie die auf der Bühne“. Also wandte er sich an Regisseure, Kameraleute und Caster und organisierte die ersten Workshops für Filmschauspiel. Es ging darum, sich ausprobieren zu dürfen, in einem druckfreien Raum. Darum, sich so gut auf einen Dreh vorzubereiten, als spielte man die fünfte Vorstellung am Theater, seine Rolle und die technischen Gegebenheiten am Set so zu verinnerlichen, als würde man Auto fahren, konzentriert und entspannt.

Die Nachfrage war enorm, aus Seminar-Wochenenden wurden Wochen, und schließlich etablierte sich die Coaching Company auf einer Etage in einem denkmalgeschützten Gebäudekomplex an der Charlottenburger Helmholtzstraße, wo sie heute noch residiert. Die Coaching Company bietet Schauspielern, die bereits Berufserfahrung haben, eine unschätzbare Zusatzqualifikation. Bei arbeitslosen Kollegen werden die Gebühren für die dreimonatigen Seminare zu einhundert Prozent von den Agenturen und Jobcentern übernommen. Was die Schauspieler bei Ghafouri lernen, ist zum einen Selbstsicherheit, „die sich in einem Plus an Präsenz, an Ausstrahlung bemerkbar macht“. Und zum anderen Selbstbewusstsein. Im ständigen Videofeedback werden Selbst- und Fremdbild in Deckung gebracht, „jeder ist ein einzigartiger Charakter“, sagt Ghafouri, „aber je genauer ich weiß, wer ich bin, und wer nicht, desto zielgerichteter kann ich mich für Rollen ins Gespräch bringen.“

Eigentlich, dachte Ghafouri, sollte dieses Rüstzeug für das Spiel vor der Kamera selbstverständlicher Teil der Schauspielausbildung sein. Aber an den Schulen stieß er oft auf den damals noch verbreiteten Dünkel, „wonach der Film nur ein minderwertiges Abfallprodukt der hehren Theaterkunst sei“. Also gründete er eben selber die Filmschauspielschule Berlin. Eine staatlich anerkannte, Bafög-berechtigte Privatschule. „Die erfahrensten Theaterleute, die in die Coaching Company kommen, merken, dass sie vor der Kamera praktisch bei Null anfangen“, erzählt Ghafouri, „diese Kluft entsteht bei uns nicht – die Talente können gleichzeitig wachsen.“ Auch an der Filmschauspielschule ist der Zuspruch groß, auf die 10 bis maximal 15 Plätze bewerben sich bis zu 120 Aspiranten. Neben der Theaterausbildung durchlaufen seine Schüler alle Produktionsphasen des Drehens, und sie verlassen die Schule mit einem professionellen Demoband. Ghafouri blickt zufrieden auf die bisherige Bilanz seiner jungen Institution. Viele seiner Absolventen sind erfolgreich in den Beruf gestartet, manche beim Fernsehen, andere beim Theater.

Coaching Company: Starttermin des nächsten Kurses („Intensive Camera Acting“) am 25. Januar; Filmschauspielschule: Beginn des nächsten Ausbildungsjahres am 1. Februar.

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