KLASSIKER-MASH-UP„Alice im Wunderland“ : Wach ich oder träum ich?

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Der Wahnsinn und der Unsinn sind zwei große Leitthemen in Lewis Carrolls „Alice’s Adventures in Wonderland“ und der Fortsetzung „Through the Looking Glass“. Gerade die Versponnenheit der Geschichte macht einen großen Teil ihrer Faszination aus. Da überrascht es schon ein wenig, dass nun ausgerechnet Tim Burton, ein Kino-Großmeister des Vesponnenen („Mars attacks!“, „Charlie and the Chocolate Factory“), in seine „Alice“-Version so etwas wie Sinn und Stringenz bringt. Der Grund ist das Drehbuch von Linda Woolverton, das eine neue Rahmenhandlung einführt und ansonsten recht locker mit den beiden Carroll-Klassikern umgeht. Die bekannten Charaktere, Motive und Schauplätze des schon zwei Dutzend Mal verfilmten Stoffes werden zu einer neuen familientauglichen Story zusammengemixt.

Alice ist 19 Jahre alt und fährt mit ihrer Mutter zu einem großen Fest, bei dem ihr ein junger Lord einen Heiratsantrag macht. Doch sie lässt den verdutzten Mann einfach stehen und läuft hinter einem weißen Kaninchen her. Nach dem Sturz in das berühmte Kaninchenloch gelangt sie nach Underworld, wo sie bereits erwartet wird. Es bestehen jedoch Zweifel daran, dass sie die „richtige“ Alice ist. Denn die Bewohner ersehnen seit langem die Wiederkehr einer Alice, die sie vom Regime der Roten Königin erlöst und ihre kleine Schwester, die Weiße Königin, auf den Thron bringt. Was Alice vergessen hat: Sie war als kleines Mädchen schon einmal in Underworld – im Traum. Auch jetzt glaubt sie zu träumen und versucht vergeblich aufzuwachen. Ihre Mission nimmt sie nur zögerlich an. Erst als ihr der verrückte Hutmacher (Burtons Lieblingsdarsteller Johnny Depp) von der Zerstörung seines Dorfes durch die Rote Königin erzählt und kurz darauf in deren Gefangenschaft gerät, macht sie sich an die Arbeit.

Sie entwickelt sich zu einer Art Jeanne d’Arc mit Excalibur-Schwert. Hier mixt Tim Burton eine ganze Menge Fantasy-Optik in sein für Disney produziertes Alice-Mash-Up, das auch einige Anspielungen auf die fast 50 Jahre alte Zeichentrickversion von Disney enthält. Die 3-D-Technik setzt er maßvoll und kaum effekthascherisch ein. Kostüme und Ausstattung sind wie immer bei Burton eine Augenweide. Das gilt auch für die animierte Grinsekatze, die derart flauschig wirkt, dass man sie sofort streicheln möchte. Dauerschnurrend ist sie zudem deutlich sympathischer als in früheren „Alice“-Versionen. Kurzweilige Neuinterpretation. Nadine Lange

„Alice im Wunderland“, USA 2010, 108 Min.,

R: Tim Burton, D: Mia Wasikowska, Johnny Depp

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