Zeitung Heute : Klatsch, Klassik, Kult

HELMUT MERSCHMANN

Ein Überblick über Filmseiten im InternetVON HELMUT MERSCHMANNPraktisch unüberschaubar sind Anzahl und Vielfalt von Websites, die sich Filmen, Stars und Sternchen widmen.Um den ganzen Erdball verstreut liegt das Sortiment.Filminstitutionen aus Deutschland befinden sich nur einen Klick von den Hollywoodstudios entfernt.Zeitschriften im fernen Australien verweisen auf Fanseiten über Jean Cocteau oder das Hong Kong-Kino.Auch der Oscar hat ein eigenes virtuelles Zuhause gefunden.Ganz zu schweigen von den vielen Filmfestivals und -zeitschriften, mit denen das Internet aufwartet. Es gibt zwei Möglichkeiten, sich in den unendlichen Weiten des Datennetzes zurechtzufinden: Entweder man läßt sich einfach treiben ­ dann bietet sich der Infopool "CineMediaÒ an, mit über 16.000 weiterführenden Filmlinks.Oder man sucht gezielt, beispielsweise nach dem Programm der Berliner Kinos.In diesem Fall führt kein Weg an der komfortablen Datenbank von "BerlinOnlineÒ vorbei.Wer sich vergleichbar systematisch über Filme und ihre Macher orientieren möchte, ist stets gut damit bedient, die "Internet Movie DatabaseÒ aufzusuchen, ein riesiges Filmdatenarchiv mit Querverweisen zu Schauspielerbiographien, zu Rezensionen und Einspielergebnissen.Weil jeder gehalten ist, diese Datenbank zu füttern, sind die Suchergebnisse allerdings nicht immer ganz korrekt. Auf Seriosität hingegen sind die Institutionen bedacht, welche sich historisch mit dem Medium Film befassen.Meist bloß einem Spezialistenkreis vertraut, bietet ihnen das Internet Gelegenheit, einem größeren Publikum Auszüge aus der Forschungsarbeit vorzustellen oder einige Juwelen aus dem Archiv preiszugeben.Die "Stiftung Deutsche KinemathekÒ in Berlin, das Filmmuseum in Potsdam oder das "Deutsche Institut für FilmkundeÒ gehören zu den Organisationen, die unlängst ihren Internet-Auftritt vorgenommen haben und mit Informationen zur Filmgeschichte dienen.Auch der "CinegraphÒ, eine umfängliche Sammlung zum deutschen Film, hat einen Teil seines Angebots publik gemacht. Weniger theoretisch als vielmehr um Praxis bemüht, geht es an den Filmhochschulen zu.Die "Deutsche Film und Fernsehakademie BerlinÒ oder die "Filmschule Nordrhein-WestfalenÒ stellen im Internet ihre Studiengänge vor und informieren über Antragstermine und -fristen.Nach abgeschlossenem Studium wird vielleicht die Filmförderung interessant, wo Projektgelder beantragt werden können, wie bei der "Filmförderanstalt HamburgÒ oder dem "Filmboard Berlin-BrandenburgÒ.Warum nicht gleich richtig professionell arbeiten? Ein Blick in die "Medienstadt BabelsbergÒ auf dem ehemaligen Defa-Gelände in Potsdam lohnt gewiß. Noch umfangreicher nehmen sich die Homepages der namhaften Hollywood-Studios aus, wo man sich über aktuelle Produktionen informieren kann.Filmtrailer, wie aus dem Kino bekannt, stehen in den gängigen Video-Formaten zur Verfügung.("Film.comÒ bietet die neusten Clips auch als Real-Video-Dateien an.) Szenenfotos, Interviews mit Schauspielern und Regisseuren oder Berichte über die Dreharbeiten und die Technik dürfen nicht fehlen.Für einige Filme wurden sogar ausgeklügelte Online-Spiele entwickelt: Beim demnächst anlaufenden Bruce-Willis-Streifen "Der SchakalÒ muß der Titelheld interaktiv über die ganze Welt verfolgt werden.Andere Kino-Großereignisse wie "Mars Attacks!Ò oder "TitanicÒ haben jeweils eigene Domain-Namen. Ein wenig Tratsch gefällig? Dann ist man bei "Mr ShowbizÒ genau an der richtigen Adresse.Neben knappen Kritiken zu bereits in den USA angelaufenen Filmen findet sich dort das neueste Gerede aus der Gerüchteküche Hollywoods.Wer mit wem, wo und weshalb.Ein deutschsprachiges Pendant bildet die Website "Spielfilm.deÒ.Bei "MovieReelÒ hingegen ist vornehmer Branchenklatsch angesagt.Unter der Rubrik "OdditiesÒ lassen sich ferner all die kleinen Nachlässigkeiten eintragen, die eine Filmproduktion begleiten: von ins Bild dippenden Mikrofonen bis zu Anschlußfehlern.Warum soll "TwisterÒ eigentlich in Oklahoma spielen, wo doch alle Straßenschilder Texas ausweisen? Und wieso sind die im Wirbelsturm zerborstenen Windschutzscheiben eigentlich in der nächsten Szene einfach wieder heil? Man sieht: der User beobachtet scharf und redet gern ein Wörtchen mit.Das tut er freilich mit besonderer Vorliebe in den Diskussionsforen, wo der "alt.moviesÒ-Bereich für Kinofreaks reserviert ist.Regisseure wie Alfred Hitchcock oder David Lynch sind allemal einen Kommentar wert.Kultischen Charakter bekommt die Debatte schließlich im "alt.fanÒ-Register.In einer eigens den Filmen von Quentin Tarantino gewidmeten Newsgroup haben so wichtige Fragen, wie der tiefere Sinn des leuchteten Koffers aus "Pulp FictionÒ, eine nahezu religiöse Bedeutung.Alicia Silverstone und Leonardo DiCaprio erfahren ganz ähnliche Verehrung. Manchmal geht die Bewunderung gar so weit, daß Stars wie ihnen eine ganze Homepage gewidmet wird, mit allen nur verfügbaren Bildern, Daten und Fakten.Sie nennen sich meist "Unofficial SiteÒ und sind über jede Suchmaschine ausfindig zu machen.Bei aller Liebe sollte aber die selbige zum Kino nicht vergessen werden und der Weg vom heimischen Monitor zurück vor die große Leinwand zurückgefunden werden. Auf einen Blick: Die Adressen der Filmseiten im InternetAcademy of Motion Pictures:

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