Zeitung Heute : Kleine Firmen haben große Chancen

Mit einem Lächeln in die Selbstständigkeit starten

Reinhart Bünger,Silke Zorn

Berlin ist derzeit die Gründerhauptstadt Deutschlands. Und das benachbarte Brandenburg bricht in Sachen Existenzgründungen in diesen Monaten zu neuen Zielen auf – ein gutes Umfeld für die diesjährigen „Deutschen Gründer- und Unternehmer-Tage/deGUT“ auf dem Messegelände unter dem Funkturm.

Nach Angaben von Volkmar Strauch, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen des Landes Berlin, gab es im vergangenen Jahr rund 41 000 Neugründungen in Berlin. Ihnen stehen rund 28 000 Abmeldungen gegenüber. Der positive Saldo liegt exakt bei 12 962 Unternehmensgründungen – das ist deutschlandweit Spitze. Die Selbstständigenquote betrug im vergangenen Jahr 13,9 Prozent.

In Brandenburg lagt die Selbstständigenquote Ende 2006 bei 12,2 Prozent und erreichte damit einen neuen Höchststand. „Damit liegen wir an der Spitze der neuen Bundesländer und klar über dem Bundesdurchschnitt von 11,2 Prozent“, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns zu den Zahlen. Insgesamt wurden in Brandenburg 2006 rund 25 500 Unternehmen gegründet und 21 000 abgemeldet.

Die Kontakt- und Kongressmesse für mehr Selbstständigkeit und Unternehmertum deGUT soll nach Strauchs Angaben vor allem Mut machen: „Ich würde mir mehr Gründungen aus Überzeugungen als aus der Not heraus wünschen.“ Gleichwohl hat sich die staatliche Förderung von Selbstständigkeit mit zwei unterschiedlichen Programmen – Existenzgründungszuschuss für eine Ich-AG oder Überbrückungsgeld – bewährt. Nach einer Mitte April veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) waren bis Mitte 2006 siebzig Prozent der Geförderten auch zwei Jahre nach der Existenzgründung noch selbstständig. Eine im Vergleich zur Wirtschaft völlig normale Überlebensquote.

Auf dem Messegelände unter dem Funkturm informieren am Freitag (10 bis 19 Uhr) und am Sonnabend (10 bis 18 Uhr) rund 200 Aussteller über ihre Beratungsangebote, Fördermöglichkeiten sowie Geschäftsideen. Der Eintrittspreis beträgt 10 Euro.

„Im Fokus stehen in diesem Jahr Zukunftsbranchen in Mittel- und Osteuropa, Tourismus, Gesundheitswesen sowie Kultur und Medien“, sagt Sven Weickert von der Vereinigung der Unternehmerverbände Berlin und Brandenburg. Außerdem wird es Seminare zu Businessplänen und ein Beraterforum geben. Siebzig Berater beantworten individuelle Fragen der Teilnehmer. Die Veranstalter – die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen des Landes Berlin, das Ministerium für Wirtschaft des Landes Brandenburg und die European Fairs & Exhibitions GmbH – erwarten rund 10 000 Besucher. Damit ist die deGUT die größte Veranstaltung dieser Art in Deutschland; ihre Angebote werden in vier Hallen auf einer Fläche von 5700 Quatratmetern ausgebreitet. Bestandteil der Messe ist erneut der Ausstellungsbereich Gründerideen in Halle 15.1. – hier zeigen sich jung gegründete Firmen mit ihren zum Teil patentierten Geschäftsideen. In der Halle 12 gibt es einen eigenständigen Franchisebereich: Existenzgründer haben hier die Möglichkeit, sich mit einer bereits bestehenden Marke und einem passenden Marketingkonzept selbstständig zu machen. Dafür ist allerdings oft eine erhebliche Summe an Eigenkapital erforderlich.

Wie wichtig die Veranstaltung ist, zeigen Beobachtungen der KfW-Bankengruppe. „Im internationalen Vergleich fehlt hierzulande oft eine gewisse Risikobereitschaft“, sagt Werner Genter, Direktor der KfW-Bankengruppe und Leiter des Bereichs Kreditsekretariat. Auch kleinere Gründungen sollten gefördert werden. Für Anfang 2008 plant die KfW deshalb ein Kreditprogramm, bei dem bis zu einer Kreditsumme von 50 000 Euro einhundert Prozent des Risikos von der KfW übernommen werden. Folgerichtig machte die KfW mit ihrem Unternehmenpreis in Berlin Dagmar Vogt zum Gründer-Champion 2007. Die Ingenieurin machte sich im Alter von 27 Jahren vor fünf Jahren selbstständig. In diesen fünf Jahren machte sie ihr Unternehmen zum Marktführer für Photovoltaik-Anlagen in Deutschland. Die Firma fertigt für Hersteller von Solarzellen und Solarmodulen gleich ganze Fabriken in Deutschland, Spanien, Frankreich und den USA. „Wir sind von elf Mitarbeitern im Jahr 2002 auf heute 112 gewachsen“, bilanziert Vogt. „Dazu hat auch Berlin als attraktiver Standort für Gründer beigetragen.“

Weitere Informationen unter:

www.degut.de

www.berlinstartup.de

www.existenzgruender.de

www.gruendungsnetz.brandenburg.de

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