Zeitung Heute : Kleine Kinder brauchen kleine Klassen

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Betrifft: Die Größe von Grundschulklassen

Das Ergebnis der Pisastudie ist ein Desaster! Es muss etwas passieren! Darin sind sich alle einig. Was passiert? Ich übernehme im nächsten Schuljahr eine von drei 1. Klassen, die jeweils 29 Schüler haben! Es können auch noch 30 werden, darüber hinaus geht es dann in begründeten Fällen nur mit einer Sondererlaubnis. Auf unsere Nachfragen, warum denn aus 87 angemeldeten Kindern keine vier 1. Klassen gemacht werden, teilte uns der Rektor mit Bedauern mit, dass das Einrichten von Klassen unter einer Frequenz von 23 Schülern verboten sei. Diese Bestimmung, nach der da gehandelt wird, stammt von vor drei Jahren. Da gab es noch keine Pisastudie. Dennoch gilt sie unverändert auch für das nächste Schuljahr!

Ich habe in meiner langjährigen Schulpraxis schon viele 1. Klassen geführt. Noch nie hatte eine schon zu Beginn 29 Schüler. Der Slogan von vor ca. 15 Jahren: „Kleine Kinder brauchen kleine Klassen“ gilt heute mehr denn je! Zu einer Zeit, in der eine Vielzahl von Problemen der Kinder in der Schule aufgefangen werden müssen und von uns als Lehrern zu Recht erwartet wird, dass wir uns intensiv mit jedem einzelnen Schüler beschäftigen und nach Leistungsstand differenzieren, ist es unglaublich, dass es 1. Klassen mit 29 Kindern geben darf! Denn gerade der Einstieg ins Schulleben ist in hohem Maße dafür verantwortlich, ob bei den Kindern Lust zum Lernen geweckt wird oder schon frühzeitig die Meinung: „Schule ist doof!“

Gabriele Lattermann

(Grundschullehrerin) Berlin-Wilmersdorf

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