Zeitung Heute : Kleine Pflanze, große Zukunft

07.07.2012 00:00 Uhrvon
Grün und edel. Mode im Adlon Foto: promo
Grün und edel. Mode im Adlon Foto: promo

Der Branchenriese Messe Frankfurt organisiert die beiden wichtigsten Berliner Messen für grüne Mode.

Wenn einer der größten Messeveranstalter der Welt einen vergleichsweise winzigen Showroom übernimmt, der noch dazu ein sehr spezielles Publikum bedient, muss ein besonderer Plan dahinterstecken. Und so war es auch, als die Messe Frankfurt im Frühling 2011 den Green Showroom übernahm, die auf grüne Luxuslabels spezialisierte kleine Messe, die seit 2009 während der Fashion Week in einigen Suiten des Hotels Adlon am Potsdamer Platz stattfindet.

Zwar ist die Veranstaltung seit ihrer Gründung stetig gewachsen, aber in dieser Saison zeigten dort gerade 24 Marken ihre Produkte. Ein Zwerg im Vergleich zu den meisten konventionellen Modemessen, aber einer mit hohem Anspruch: dem, strikteste soziale und ökologische Standards mit edlem Design zu verbinden.

Dieses Konzept war es, was die Messe Frankfurt überzeugte.

Dazu muss man wissen, dass das Unternehmen in zahlreichen Branchen weltweit richtungsweisende Messen veranstaltet, auch im Textilsegment. Das ist mittlerweile sogar der wirtschaftlich wichtigste Bereich des Unternehmens, vor allem in eher unglamourösen Bereichen wie Heimtextilien, technischen Textilien oder Produktionstechnik.

Doch einen blinden Fleck gab es: Es fehlte eine Modemesse. „Wir haben gesehen, dass es für uns wenig Sinn machte, in den designorientierten Bereich einzusteigen“, erklärt Detlef Braun, der Geschäftsführer der Messe Frankfurt, der am Donnerstag im Adlon dabei war, als der Green Showroom eine Modenschau mit ausgesuchten grünen Marken veranstaltete. Stattdessen habe sich das Unternehmen gezielt nach „Segmenten mit signifikantem Wachstumspotenzial“ im Modebereich umgesehen. Nach Themen also, die noch klein sind, aber sehr groß werden könnten. Und wirtschaftlich sei der Bereich nachhaltige, grüne Mode „momentan noch eine kleine Pflanze“, sagt Braun. Aber auch kein kurzlebiger Trend, sondern „eines der großen Paradigmen unserer Zeit“.

Die richtigen Voraussetzungen also, um langfristig etwas aufzubauen. Bei null wollten die Frankfurter nicht anfangen, sie suchten nach bestehenden Veranstaltungen. Die erste war die Organisation „Ethical Fashion“, die in Paris eine Messe für ökologische Streetwear veranstaltete, die zweite vor anderthalb Jahren der Green Showroom. Mittlerweile hat die „Ethical Fashion Show“ eine Dependance in Berlin bekommen, die während der Modewoche im E-Werk stattfindet.

Mit den beiden Veranstaltungen ist die Messe Frankfurt inzwischen fast ein Monopolist auf dem Feld der Berliner Ökomodemessen. Das war vor nicht allzu langer Zeit noch nicht absehbar. Da hatten sich zahlreiche unabhängige kleine und größere Veranstaltungen entwickelt, die Hoffnung weckten, dass Berlin sich zu einer Ökomodemetropole entwickeln würde. Doch dann stockte das organische Wachstum. Viele Veranstalter gaben wieder auf. Für reine Idealisten wird es zunehmend schwerer, sich in einer Branche zu behaupten, die immer mehr zu einem Wirtschaftsfaktor wird.

„Wir schätzen Wettbewerb, freuen uns aber natürlich, dass sich unsere Marken etabliert haben“, sagt Braun. Andere Veranstaltungen hätten eben „nicht den Atem gehabt“. Da ist ein Weltkonzern wie die Messe Frankfurt natürlich im Vorteil. Auf einem Feld, das in Relation zum Gesamtgeschäft winzig ist, kann sie es sich leisten, langfristig zu planen und zu investieren – „nachhaltig, das passt ja auch zum Thema“, sagt Braun. Das können unabhängige Veranstaltungen, die von Saison zu Saison denken müssen, eben nicht.

Dieser Umbruch in der Berliner Messelandschaft ist auch ein Symptom für den einen grundlegenden Wandel in der grünen Mode. Es geht nicht mehr um Konsumverzicht, sondern um verantwortlichen Konsum. Mittlerweile denken auch Weltmarken wie Puma ökologisch. Und die Kunden, die sich für die hochwertigen, individuellen Designermarken interessieren, die im Green Showroom zeigen, wollen erst einmal eines: gut aussehen. Das aber eben mit gutem Gewissen. Jan Schröder

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