Zeitung Heute : Kleiner Wirbelsturm

ECKART SCHWINGER

Elisabeth Glass und Michael Heise im Meistersaal mit Schubert und Brahms Alles andere als leichte sommerliche Kost servierten Elisabeth Glass und Michael Heise bei ihrem Duo-Abend im Meistersaal.Als Einspielstück hat es selbst die "kleine" Schubertsche Sonate op.137 Nr.1 in D-Dur in sich, die sich in ihrer kunstvollen Einfachheit und mozartischen Transparenz keinesfalls von allein spielt.Und was danach folgte, die Brahmssche Violinsonate in A-Dur op.100 sowie die Beethovensche Sonate für Klavier und Violine op.47 in A-Dur, die "Kreutzersonate", sind gewaltige "Brocken", die bewältigt sein wollen.Von Anbeginn an gingen daher die Geigerin Elisabeth Glass, die mit einem satten, sinnenfrohen Ton antrat, und der Pianist Michael Heise engagiert und drangvoll zu Werke. Was die Durchsichtigkeit, aber auch die Intonation anlangt, ergaben sich allerdings sogleich Probleme bei dem Schubert.Dynamische Duckmäuserei betreiben übrigens beide nicht, schon gar nicht Michael Heise, der gerade bei Schubert zwar sehr kapellmeisterlich versiert, aber zu massiv und nicht selten zu laut spielte.Flexibilität ließ er an diesem Konzertabend weitgehend vermissen. Der beinahe barocke Spielbetrieb, der technische Schneid, überhaupt der Zug ins Große bekamen Brahms nicht schlecht.Und bei der "Kreutzersonate", dem Lieblingsstück von Tolstoi, konnte einem der wagemutige Gestus, das bisweilen betont aggressive Deklamieren nicht entgehen.Aber die elektrisierende Differenzierung fehlte Brahms wie Beethoven.In dem berühmten Variationssatz der Beethoven-Sonate hätte man nicht merken dürfen, wie knifflig das Ganze ist.Da hätten die Töne flockiger rieseln, Aufhellungen und Verschattungen intensiver herauskommen müssen.Den Schlußsatz gingen Elisabeth Glass und Michael Heise wieder risikofreudig und forsch an.Da fegte ein kleiner Wirbelsturm durch den Meistersaal.Und wie das bei so heftig entfachten Stürmen ist, ohne etliche Einbußen ging er nicht vorüber.ECKART SCHWINGER

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