Zeitung Heute : Klingende Seeschlacht

Eine Reise zu „Lord Nelson am Nil“

Klaus Büstrin

In den Skandalblättern unserer Tage würde Lady Emma Hamilton große Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Zwar war sie vor gut 200 Jahren als Künstlerin europaweit bekannt, doch ihre Beziehungen zu einflussreichen Männern waren für die Allgemeinheit damals schon teilweise interessanter. Die Aufsteigerin „aus dem Volke“ heiratete den britischen Gesandten in Neapel, Sir William Hamilton. Doch auch mit Lord Horatio Nelson, dem Helden der Seeschlacht am Nil, der im Namen der britischen Krone die französische Flotte unter Napoleon Bonaparte besiegte, war die Lady liiert.

Dieses Dreiergespann, vor allem aber Emma Hamilton und Lord Nelson, forderte Maler, Musiker und Dichter im 19. und 20. Jahrhundert immer wieder zu künstlerischen Interpretationen heraus. Ihm wandten sich die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci zu, musikalisch und literarisch. Im stimmungsvollen Palmensaal der Orangerie im Neuen Garten hieß es am Freitag: „Lord Nelson am Nil“.

Der Seeschlacht bei Abukir im August 1798 und ihrem Helden haben Joseph Haydn, Ferdinand Kauer und Johann Baptist Vanhal so manch klingenden Tribut gezollt. Das bekannteste Werk zu Ehren des Seehelden ist die groß angelegte Nelson-Messe von Haydn. Sie wurde im Palmensaal nicht aufgeführt. Der Esterhazy-Komponist hat jedoch als Verbeugung vor der Lady und dem Lord eine kleine Szene für Sopran und Hammerflügel geschrieben, in der die Schlacht bei Abukir beschrieben wird. Aber auch der Böhme Johann Baptist Vanhal war dabei nicht untätig. Er brauchte dafür das Tasteninstrument. Vom Verlauf des Kampfgetümmels gibt ein Sprecher mit kurzen Schlagworten Kunde. Der Wiener Musiker Ferdinand Kauer stand seinen Kollegen nicht nach. Für seine Darstellung entschied er sich jedoch zu einem Klaviertrio. Alle gehörten Werke sind hoch virtuos komponiert, lassen jedoch auch Pathetisches und schlichte Volkstümlichkeit zu. Und sie stehen immer auf der Seite der siegreichen Briten.

Christine Schornsheim am Hammerflügel – sie spielte auf einer Kopie nach einem Instrument von 1799 – wusste die Werke stets mit musikantischem Temperament, exzellenter Klang- und Anschlagskultur zu spielen, doch auch mit hochsensibler Verzierungskunst. Daniel Sepec, Violine, und Gesine Queyras, Violoncello, standen an klanglicher und gestalterischer Überzeugungskraft der Pianistin nicht nach. Die Sopranistin Dorothee Mields erwies sich als wandlungsfähige Sängerin, die die heiter-neckischen, gefühlvoll-sehnsuchtsvollen Lieder mit feiner Empfindung, frischem und zugleich einschmeichelndem Klang zu singen wusste.

Fontane hat in „Ein Sommer in London“ sowohl die guten als auch die abstoßenden Seiten des Großstadtlebens der britischen Hauptstadt mit spitzer Feder festgehalten. Auch die Beziehungen zwischen Emma Hamilton und Horatio Nelson hat er bedacht, mit feiner Ironie und zum Schluss mit einem Schuss Sentiment, als der Tod den Kapitän und die Lady holt. Der Schauspieler Dominik Maringer las den Bericht zunächst etwas burschikos, doch dann zum Ende hin mit immer stärkerer Sensibilität. Klaus Büstrin

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