Zeitung Heute : Knall im All

Fabian Leber

Das Weltraumteleskop „Hubble“ ist kaputt, die Hauptkamera funktioniert nach einem Kurzschluss nicht mehr. Wie groß ist der Verlust für die Weltraumforschung?


Das wichtigste Auge des Weltraumteleskops „Hubble“ hat zwei Drittel seiner Sehkraft verloren: Die Hauptkamera ist bei einem Kurzschluss so stark beschädigt worden, dass sie nicht wieder auf die volle Leistung hochgefahren werden kann. Zwei der drei Kanäle, aus denen die Kamera besteht, sind unbrauchbar. Mit einem speziellen Weitwinkelkanal waren die bisher tiefsten Aufnahmen des Kosmos gemacht worden. Auf ihnen sind die ersten Galaxien zu erkennen, die nach dem Urknall entstanden sind.

Viele Experten halten „Hubble“ für das wichtigste astronomische Instrument überhaupt – obwohl das Teleskop nach seinem Start 1990 wegen eines Herstellungsfehlers nur unscharfe Bilder lieferte und repariert werden musste. Dann aber schoss es mehr als 750 000 Bilder, darunter spektakuläre Aufnahmen von sterbenden Sonnen, schwarzen Löchern und Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Von ihnen erhoffen sich Astronomen Aufschluss über die Entstehung des Universums. Mit dem Teleskop, das in 600 Kilometern Höhe kreist, lässt sich die Entfernung zwischen einzelnen Galaxien bestimmen. Daraus kann dann die „Hubble-Konstante“ berechnet werden, die die momentane Ausdehnung des Universums angibt.

Bei der Nasa wird nun gerätselt, wie das Teleskop auch in Zukunft noch genutzt werden kann. „Angesichts von ,Hubbles‘ Beliebtheit unter den Astronomen sind wir natürlich enttäuscht“, sagt der zuständige Nasa-Manager Preston Burch. Grund für den Kurzschluss ist offenbar ein Fehler in der Stromversorgung. Die Hauptkamera arbeitete bereits seit Juni 2006 mit einer Ersatzelektronik – schon damals hatte es Probleme gegeben.

Die Nasa-Experten wollen nun zwar die inzwischen reparierte Hauptelektronik der Kamera wieder in Betrieb nehmen, doch bei dieser sind der Weitwinkel- und der hochauflösende Kanal defekt. So werden die Astronomen künftig nur noch den „Solar Blind Channel“ nutzen können, der die sichtbare und die infrarote Strahlung ausblendet und damit Beobachtungen im UV-Bereich möglich macht.

Eine Reparatur plant die Nasa nicht, da die Kamera sich an einer schwer erreichbaren Stelle befindet. Ende vergangenen Jahres hatte die Nasa ohnehin eine Verjüngungsmission für das alternde Teleskop beschlossen, das nach dem US-Astronomen Edwin Hubble benannt ist. Der Einsatz der Raumfähre „Discovery“ soll frühestens im Mai 2008 beginnen. Dann soll eine neue Kamera – die „Wide Field Camera 3“ – installiert werden, die in ihren Möglichkeiten das alte Aufnahmegerät übertrifft. Bis dahin jedoch werden sich die Astronomen gedulden müssen – und der Weltraumforschung gehen etwa zwei Jahre verloren. 2013 soll dann das bereits geplante Nachfolgeteleskop „James Webb“ ins All geschossen werden.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar