Zeitung Heute : Köhler ruft zu neuem Miteinander von Alt und Jung auf

Bundespräsident mahnt achtsameren Umgang an - Huber fordert weltweite Religionsfreiheit

Sebastian Bickerich,Michael Schmidt

Berlin - In seiner Weihnachtsansprache hat Bundespräsident Horst Köhler die Deutschen aufgefordert, mehr für das Miteinander und die Verständigung zwischen Alten und Jungen zu tun. „Ich möchte, dass die Erfahrung und die Gelassenheit der Älteren eine Verbindung eingehen mit dem Ungestüm und der Neugier der Jugend“, sagte Köhler. Er sei sich sicher, wo das gelinge, komme Gutes heraus. Köhler mahnte einen achtsameren Umgang mit älteren Menschen an. Die Lebenserwartung der Menschen steige, die dadurch gewonnenen Jahre seien ein „großes Geschenk“, doch habe er den Eindruck, es werde zu wenig genutzt, sagte Köhler. Noch immer würden Menschen aufs Altenteil geschoben, die Kraft und Erfahrung besäßen und viel könnten. Als Beispiele für ein gelungenes Miteinander von Alt und Jung nannte er einen sächsischen Kirchenmusiker, der Kindern bei den Hausaufgaben hilft, eine pensionierte Lehrerin aus Hamburg, die Schülern jeder Herkunft beim Erlernen guter Umgangsformen hilft, und einen früheren Manager, der junge Leute bei Unternehmensgründungen unterstützt. Es lohne sich, an solche Beispiele anzuknüpfen, sagte Köhler.

Die Berliner Bischöfe rufen in ihren Weihnachtsbotschaften zu mehr Engagement für die gesellschaftlich Benachteiligten auf. Der katholische Kardinal Georg Sterzinsky wünscht allen Kranken und Einsamen „den Segen dieser Nacht“.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, fordert eine weltweite „Religionsfreiheit ohne Wenn und Aber“ – auch in islamischen Ländern. Religiöse Pluralität sei der Ernstfall der Religionsfreiheit, schreibt Huber in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel. Toleranz müsse „in christlicher Perspektive in einer Glaubensgewissheit gründen, um deretwillen der Mitmensch in seiner abweichenden Glaubensweise respektiert wird“. In islamischen Staaten gelte „die Abwendung vom Islam als „Abfall“, der in einer Reihe von Ländern mit der Todesstrafe bedroht ist“. Zudem werde die Verkündigung anderer Glaubensweisen „vielfach unterdrückt“. Religionsfreiheit schließe aber das Recht zum Wechsel der Religion ein. Huber würdigte in diesem Zusammenhang den deutschen Zentralrat der Muslime, der in seiner Islamischen Charta von 2002 das Recht auf Religionswechsel akzeptiert. Es sei zu wünschen, dass aus dem „Akzeptieren“ ein „Bejahen“ werde.

Papst Benedikt XVI. betonte die Pflicht der katholischen Kirche und aller Christen zur Evangelisierung. Nichts könne die Christen von der verpflichtenden und faszinierenden Aufgabe entbinden, die christliche Botschaft zu verbreiten, sagte er am Sonntag bei seinem Angelusgebet auf dem Petersplatz.

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