Körperscanner : Ein Hertz für Scanner

Körperscanner sollen bald auch an deutschen Flughäfen zum Einsatz kommen. Mit Terahertzstrahlen werden Passagiere dann abgetastet. Besteht ein gesundheitliches Risiko beim Einsatz der Geräte?

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Körperscanner funktionieren wie Fotoapparate. Sie zeichnen eine bestimmte Sorte von Strahlen auf und erstellen daraus ein Bild. Während gewöhnliche Kameras mit sichtbarem Licht arbeiten, das von Gesichtern, Brautkleidern oder Skianzügen reflektiert wird, erfassen Körperscanner Terahertzwellen, die eine Sonderform der Wärmestrahlung und mit bloßem Auge unsichtbar sind. Terahertzstrahlung kann Kleidung gut passieren und hat eine unterschiedliche Zusammensetzung der Wellenlängen, je nachdem, ob sie vom menschlichen Körper, einem Keramikmesser oder Plastiksprengstoff ausgesendet wird.

Um gefährliche Gegenstände zu finden, kommen zwei Verfahren infrage. Zum einen sind das „passive“ Terahertz-Systeme, die lediglich die Strahlen aufzeichnen, die der Körper ohnehin laufend aussendet. Diese Scanner sind demzufolge unschädlich. „Das ist wie beim Fotografieren, da geschieht ja auch nichts mit uns“, sagt René Beigang vom Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) in Kaiserslautern, wo derzeit eines von sechs staatlich geförderten Forschungsprojekten zur Terahertz-Technik läuft.

Beim „aktiven“ Verfahren werden zudem vom Gerät aus Terahertzstrahlen zu den Untersuchungsobjekten geschickt, um eine höhere Bildqualität zu erzielen. „So wie man in der Dämmerung ein Blitzlicht einsetzt, um eine Person auf dem Foto besser abzubilden“, erläutert René Beigang. Diese Technik wird beispielsweise bei den Körperscannern eingesetzt, die derzeit von der Bundespolizei getestet werden und nach Ansicht von Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) noch in diesem Jahr zum Probeeinsatz kommen könnten.

Wenn überhaupt, dann geht nur von diesen Gerätetypen eine Gesundheitsgefahr aus. Mögliche Schäden werden ebenfalls bei den Tests der Bundespolizei überprüft. Ergebnisse wurden noch nicht bekannt gegeben. „Nach bisherigen Kenntnissen, die unter anderem im EU-Projekt ’Bridge’ gesammelt wurden, sind die aktiven Systeme nicht gesundheitsschädlich“, sagt der IPM-Forscher Beigang. Denn Terahertzstrahlen unterscheiden sich deutlich von Röntgenstrahlen. Die nach dem deutschen Physiker Wilhelm Conrad Röntgen benannten Strahlen können die Erbsubstanz DNS beschädigen und somit ein unkontrolliertes Wachstum der Zellen auslösen: Krebs.

Die Terahertzstrahlen, deren Name sachlich von ihrem Frequenzbereich (Tera = Billion Hertz) hergeleitet ist, tun das vermutlich nicht. „Ihre Energie ist so gering, dass sie kaum die chemischen Bindungen in einem Molekül aufbrechen können“, sagt Thomas Kleine-Ostmann von der Physikalischen-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Dort wird zurzeit untersucht, welchen Effekt Terahertzstrahlen auf Hautzellen haben. Andere Gewebetypen sind im Zusammenhang mit Körperscannern nicht von Belang, weil die Strahlen nicht in den Körper eindringen. Ein abschließendes Resultat der Tests wird es allerdings erst in einem Jahr geben, sagt Kleine-Ostmann.

Auch die technischen Fragen in den einzelnen Forschungsprojekten sind noch nicht so weit beantwortet, wie es manchmal den Eindruck macht. Jeder Gegenstand sendet Terahertzstrahlen aus, und es ist enorm schwierig, mit einem passiven Verfahren die feinen Unterschiede zu detektieren. Noch vor wenigen Jahren mussten die Probanden einige Sekunden stillhalten, damit die Kamera ein Bild machen konnte. „Wir testen jetzt eine Kamera, die so schnell ist, dass sie Aufnahmen ,im Vorbeigehen’ erlaubt“, berichtet Daniel Siegesmund vom Institut für Photonische Technologien in Jena. An eine Serienfertigung sei in diesem Jahr aber keinesfalls zu denken.

Das gilt auch für das System von Beigangs Team. Es soll passiv Aufnahmen machen, um verdächtige Gegenstände zu finden, und diese dann mit der aktiven Technik genauer analysieren. „Aus dem Rückstreumuster der Strahlen wollen wir nicht nur ein schärferes Bild erhalten, sondern zudem ableiten, welches Material unter der Kleidung verborgen ist, etwa Metall, Keramik oder Sprengstoff“, sagt der IPM-Forscher. Das könnten die bisher im Test befindlichen Geräte nicht.

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