Kolumne: Dr. Wewetzer : Schwarz, grün, gesund

Hartmut Wewetzer forscht nach guten Nachrichten in der Medizin. Diesmal: Kaffee und Tee gegen Schlaganfälle.

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Kaffee oder Tee, das ist eine Frage der Kultur. „I don’t drink coffee, I take tea, my dear“, singt Sting in seinem Song „Englishman in New York“. Das Ansehen beider Getränke könnte unterschiedlicher kaum sein. Während Kaffeetrinken mit Hektik und Großstadtleben in Verbindung gebracht wird, steht Tee für fernöstliche (oder britische) Gelassenheit. „Ich sollte nicht so viel Kaffee trinken“, hört man von gehetzten Kreativen, die sich aufputschen. Hingegen Tee: den gönnt man sich, man nimmt sich eine Auszeit, um ihn zu genießen. Kaffee ist eher ungesund, Tee bekömmlich.

So weit das Image. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Studien häufen sich, in denen Kaffee mit positiven Effekten für die Gesundheit in Verbindung gebracht wird: längeres Leben, weniger Krebs und geistiger Verfall, seltener Alterszucker und Pumpschwäche des Herzens … ich könnte fortfahren. Dagegen nimmt sich Tee vergleichsweise blass aus. Auch deshalb ist eine Untersuchung aus Japan interessant, in der die Folgen des Kaffee- wie Teekonsums für das Schlaganfallrisiko geprüft wurden.

Rund 83000 Japaner zwischen 45 und 74 wurden befragt, wie sie es mit dem Trinken von Kaffee oder grünem Tee halten, der in Asien gebräuchlichen Teesorte. Über im Mittel 13 Jahre protokollierten die Forscher dann das gesundheitliche Wohlbefinden der Studienteilnehmer. Es stellte sich heraus, dass sowohl Kaffee- als auch Teekonsumenten seltener einen Schlaganfall oder eine Hirnblutung erlitten und auch zumindest etwas weniger an Herz- oder Gefäßleiden erkrankten als Nichttrinker. Wer am Tag wenigstens eine Tasse Kaffee oder vier Tassen grünen Tee trinkt, hat nach der im Fachblatt „Stroke“ veröffentlichten Untersuchung ein um ein Fünftel geringeres Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.

Kaffee erwies sich also als „wirksamer“, auch wenn Studien dieser Art eine Zuordnung von Ursache (Kaffee) und Wirkung (weniger Schlaganfälle) eigentlich nicht zulassen, sondern allenfalls auf einen Zusammenhang hindeuten. Aber natürlich kann man darüber spekulieren, weshalb Kaffee und Tee sich offenbar günstig auswirken. Ihr gemeinsamer Nenner ist das belebende Koffein – Japaner trinken keinen entkoffeinierten Kaffee.

Koffein, von der Pflanze zum Schutz gegen Insekten gebildet und von der EU als „Gefahrstoff“ eingestuft, hat schmerzstillende und stimmungsaufhellende Wirkung. Aber Schlaganfälle verhindert Koffein eher nicht. Stattdessen vermutet der Studienleiter Yoshihiro Kokubo vom National Cerebral and Cardiovascular Center in Osaka, dass die im grünen Tee reichlich enthaltenen Catechine die Ursache für den gesundheitlichen Nutzen sein könnten. Sie dämpfen Entzündungen und senken so das Risiko, dass ein Blutpfropf eine Schlagader verstopft und damit einen Hirninfarkt auslöst.

Ein Pendant im Kaffee könnte die Chlorogensäure sein. Klingt giftig, aber diese Substanz senkt möglicherweise das Risiko für Alterszucker und wirkt darüber gefäßschonend. Am Ende entscheidet ohnehin der Geschmack. Tee oder Kaffee? Gut fürs Gehirn ist beides.

Unser Kolumnist leitet das Wissenschaftsressort des Tagesspiegels. Haben Sie eine Frage zu seiner guten Nachricht? Bitte an: sonntag@tagesspiegel.de.

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