Kolumne: Meine Frau, ihr Garten ... und ich : Orchideen wollen tauchen

Neulich kriegte die Kollegin meiner Frau von einer zufriedenen Kundin eine Orchidee geschenkt. „Oh“, sagte meine Frau, „eine Orchidee, wie schön, muss man sich aber ein bisschen drum kümmern.“

von
Grafik: Tsp

Das klingt jetzt ein wenig spitz, aber nein, so ist meine Frau nicht, sie sagte das ohne jeden Arg. Im Gegenteil, sie gab ihrer Kollegin sogar noch mit auf den Weg, wie ihre Mutter das mache – und die hat seit Jahren Orchideen. Sie tauche die nämlich einmal in der Woche ins Wasser, einmal im Monat kriegten sie Dünger, mit der Sonne müsse man aufpassen – am besten Ost- oder Westfenster, Nord und Süd sind nicht so gut. Die Kollegin hörte sich das alles an, dann sagte sie, „hier, nimm du“. Seitdem steht bei uns eine Orchidee auf dem Fensterbrett.

Das hat mich neugierig gemacht. Ich habe mich also erkundigt und keinen Hinweis darauf gefunden, dass Orchideen getaucht werden müssen. Wenn man es tut, sollte man sie gut abtropfen lassen. Staunässe bringt Orchideen ganz schnell um. Sie mögen es aber, wenn sie besprüht werden. Wahrscheinlich, weil die meisten Orchideen auf Steinen oder anderen Pflanzen wachsen, feuchte Erde ertragen sie nicht. Weshalb man sie auch nie in Blumenerde eintopfen darf, sondern nur in Orchideensubstrat.

Bei unserem Exemplar handelt es sich um einen Vertreter der Gattung Phalaenopsis. Die gilt als die am einfachsten zu haltende Orchidee überhaupt. Was meine Frau ihrer Kollegin vielleicht lieber nicht erzählen sollte.

Die erste Art der Gattung Phalaenopsis wurde übrigens von Georg Joseph Kamel bereits 1704 beschrieben. Kamel war ein interessanter Typ. Im Mährischen Brünn geboren, ging er als 26-jähriger Jesuit ins damals spanische Manila. Was eine unglaublich mühsame Reise war. Weil die Spanier nicht ums portugiesische Südafrika durften, segelte man erst nach Mexiko, musste dann per Maulesel rüber auf die pazifische Seite, um von Acapulco weiter zu den Philippinen zu gelangen.

Kamel hatte Apotheker gelernt und solche waren auf den fieberverseuchten Philippinen sehr gefragt. Auftragsgemäß machte er sich daran, die örtliche Flora zu erforschen, könnte ja was Nützliches für seine Apotheke dabei sein. Kamel erwarb sich einen guten Ruf als Arzt und als Botaniker. Nur bewahrte ihn das nicht davor, mit 45 selbst in Manila einem tropischen Fieber zu erliegen.

Ein Teil von Kamels Arbeit wurde leider auf dem Weg nach Europa von chinesischen Piraten versenkt. Der große Rest aber – Kamel hatte Zeit seines Lebens mit einem britischen Botaniker korrespondiert – ging nach England und sollte später in den Grundstock der Sammlung des British Museum eingehen.

Dafür, dass man seinen Namen nicht vergessen würde, sorgte ein anderer großer Naturforscher. Carl von Linné benannte einen hübschen Teestrauch nach ihm, der auch als Zierpflanze Karriere machte: die Kamelie.

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