Kolumne: Meine Frau, ihr Garten und ich : Was schlecht und recht ist

Die Birne entwickelt sich gut. Wenn das so weitergeht, verspricht es eine vernünftige Ernte zu werden. Höchste Zeit also, sich mal bei einer Leserin zu bedanken. Denn vor einem Jahr, da hatten unsere beiden Birnbäume noch die Pocken.

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Birnengitterrost hieß die Diagnose, ein Schädling, der einem eigentlich nur die Wahl lässt, sich entweder von der Birne zu trennen oder Nachbars Wacholder in einer Nacht- und Nebelaktion zu fällen – denn der Wacholder ist der Wirt dieses Pilzes, der sich auf die Attacke benachbarter Birnen spezialisiert hat. „Halten Sie inne“, riet also die freundliche Leserin in ihrer Zuschrift, „und spritzen Sie ,Pilzfrei Ectivo’ von Celaflor“.

Eigentlich sind wir ja gegen den Einsatz von Chemie im Garten, aber nachdem mich meine Frau dabei beobachtet hatte, wie ich mit der Teleskopkettensäge an der Grundstücksgrenze entlangschlich, fürchtete sie wohl, ich könnte etwas Illegales planen. Also versprühten wir beim ersten Anzeichen von Blattgrün unser Pilzgift, und ja, es hat geholfen!

Doch nun das: Schwarz klumpen sich eklige Läuse an den Blattunterseiten meines Kirschbaums. Gift geht nicht mehr, der Baum hängt voller Früchte. In den einschlägigen Internetforen wird in solch einem Fall der Einsatz einer Spülilösung empfohlen. Unsere Läuse sind offenbar Spüli-resistent. Und die Blätter rollen sich ein und sehen aus wie Krepppapier.

In der Gartenzeitschrift meiner Frau propagieren sie den Einsatz von Marienkäfern. Die kleinen Viecher sehen mit den schwarzen Punkten auf dem schmucken roten Panzer nicht nur viel besser aus als Blattläuse, sie gelten auch als deren Todfeinde. Leider habe ich in diesem Jahr noch keinen einzigen Marienkäfer in unserem Garten gesehen.

Für so einen Fall rät die Gartenzeitschrift, einfach welche zu bestellen. 30 Stück gibt es für 9,25 Euro bei www.schneckenprofi.de, die sollten für einen Kirschbaum reichen. Wer mehr will: Für 200 Käfer zahlt man 33,90.

Klingt wie eine gute Idee, doch bisher haben wir uns nicht recht getraut. Weil wir uns nämlich an einen traumatischen Sommer auf einem französischen Campingplatz erinnerten, wo der Wirt ein Läuseproblem hatte, sich aber scheute, auf dem gut besuchten Platz mit der Giftspritze zu hantieren. Also orderte er massenhaft Marienkäfereier und demonstrierte damit, dass man auch natürliche Hilfsmittel überdosieren kann.

Die Viecher schlüpften schnell und waren dann einfach überall, in Auge und Nase sowieso, im Kaffee, im Salat. Bei ablandigem Wind konnte man nicht mehr an den Strand, weil es Marienkäfer hagelte, die ihrem Untergang im Mittelmeer entgegentaumelten.

Ich habe jetzt damit begonnen, die betroffenen Blätter abzuzupfen und wegzuwerfen. Da kann man eigentlich nichts falsch machen.Andreas Austilat

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