Kolumne: Meine Frau, ihr GARTEN …und ich : Wir planen eine Plantage

Es gibt untrügliche Anzeichen dafür, dass der Frühling endlich bevorsteht.

von
Garten

Es gibt untrügliche Anzeichen dafür, dass der Frühling endlich bevorsteht. Und ich meine jetzt nicht die Schneeglöckchen – ich habe tatsächlich das erste Büschel gesehen –, es geht um meine Frau. Sie ist so unruhig. Immer wenn sie so ist, weiß ich, sie kauft jetzt alles, wo Blätter dranhängen. Gestern hat sie schon den ersten Topf mitgebracht. Eine Kamelie. „Und“, habe ich gefragt, „was kann die?“ – „Weiß ich nicht“, hat sie gesagt. Aber neulich hat sie in ihrer Gartenzeitschrift von jemandem gelesen, der sammelt Kamelien.

Gern bringt sie jetzt auch diese Tütchen mit, die im Supermarkt immer in der Nähe der Kasse liegen. Samentütchen sind für meine Frau ungefähr das, was Überraschungseier für Sechsjährige bedeuten. Ich behaupte mal, dass wir spätestens nächste Woche wieder überall kleine Gewächshäuser in der Wohnung rumstehen haben. Da liegen so Torftabletten drin, und in die steckt sie den Inhalt ihrer Samentütchen.

Wenn sie die Keime direkt draußen ins Beet stecken würde, dann würde sie die wahrscheinlich demnächst mit dem Unkraut wieder rausreißen. So eine keimende Sonnenblume ist ja vom Löwenzahn nicht zu unterscheiden. Und ich finde sowieso, dass die Beete viel zu voll sind. Aber das wird meine Frau nicht davon abhalten, unsere Wohnung in eine Art Baumschule zu verwandeln. Und der Hund wird wieder zu mir aufs Sofa wollen, weil auf seiner Fensterbank kein Platz mehr ist.

Vor allem hat meine Frau wieder große Pläne. „Ach“, hat sie neulich gesagt, „ich hätte gern eine Bananenstaude.“ Ausgerechnet, nach dem Theater, das wir schon mit ihrer Palme hatten und von der wir noch nicht ganz genau wissen, ob sie den Winter unter ihrer Schutzhaube überlebt hat. Ich finde, Bananen passen nicht in einen mitteleuropäischen Garten. Darauf hat sie nur gesagt, dass es winterharte Bananen gibt.

Wussten Sie eigentlich, dass praktisch alle Plantagenbananen in unseren Supermärkten von der Sorte Cavendish sind? Bis in die 60er Jahre gab es nur die Sorte Gros Michel, bis die Panamakrankheit, ein Pilz, die Bestände weltweit ausrottete. Seitdem setzt die Bananenindustrie ausschließlich auf Cavendish. Aber weil alle Cavendish genetisch vom gleichen Stamm sind, könnte eine Krankheit auch dieser Monokultur ein Ende machen. Tatsächlich ist eine Variante der Panamakrankheit bereits aufgetaucht. Pessimisten rechnen damit, dass es mit der Banane, wie wir sie kennen, in zehn Jahren vorbei sein könnnte.

Interessant. Wenn es uns gelänge, in unserem Garten eine eigene Banane zu kultivieren, die sogar Frucht abwirft, das würde unsere Position in der Nachbarschaft im Falle einer weltweiten Bananenkrise sicher stärken. Vielleicht sollte ich dieses Projekt mit mehr Wohlwollen betrachten.

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