Kolumne: Von TISCH zu TISCH : Mattone Cotto: Gambas auf Mango und roter Bete

Mattone Cotto heißt übersetzt gebrannte Fliese. Das Essen lag allerdings eher wie ein Stein im Magen.

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Mattone Cotto heißt übersetzt gebrannte Fliese. Das Essen lag allerdings eher wie ein Stein im Magen. An der Größe der Portionen allein kann es nicht gelegen haben, obwohl die gewiss nicht karg bemessen waren. Dass hier beim Kochen bei manchen Gerichten auf den großzügigen Einsatz von Ölen und Fetten mehr Wert gelegt wird als auf eine sommerliche Leichtigkeit, war rasch zu erkennen. Dem Geschmack eines einzelnen Gerichtes kommt das ja auch oft sehr zugute – wenn da nur die Nachwirkungen nicht wären.

Dabei war unser erster Eindruck vom neuen Betreiber des alten Brunello in der Knesebeckstraße wirklich gut. Draußen ist es gemütlich, im Innern bestimmen gut gefüllte Weinregale das behagliche Ambiente. Wer von Horror Vacui geplagt ist, der Angst vor leeren Gläsern, wird sich also an den blanken Holztischen mit den schlichten weißen Teelichtern gut entspannen können.

Zum angenehmen Ambiente tragen auch die backsteinroten Wände und die schwarzen Schiefertafeln bei – die Aperçus, die gehobene Italiener im alten Westen so attraktiv machen. Auf einer der Tafeln stand eine Liste mit Weinen, die jeweils mittwochs zum halben Preis verkauft werden, auch ein hübscher Gedanke. Für den Vernaccia di San Gimignano von Strozzi zahlten wir, da gerade Montag war, den vollen Preis in Höhe von 28 Euro.

Die Getränkeauswahl ist so gediegen wie das Ambiente, der Prosecco aus dem Valdobbiadene (0,1 für 4,50 Euro), der Spumante von Ferrari (7,50/8 Euro), der Champagner von Moët & Chandon (80 Euro pro Flasche). Dazu gibt es sehr gutes kräutriges Pizzabrot und schwarze Oliventapenade.

Das Speisenangebot hebt sich vom Allerweltsristorante vorteilhaft ab. Zum Büffelmozzarella gesellt sich hier eine sommerlich frische Tomaten-Basilikummousse (7 Euro). Die gegrillte Jakobsmuschel wird mit Gambas interessanterweise auf Mango und roter Bete angeboten (10 Euro). Besonders die gegrillten Babycalamari auf Rucola mit Kirschtomaten wirkten schwer, was an der zu großzügig portionierten warmen Zitronenvinaigrette gelegen haben könnte (9 Euro). Die Spaghetti Vongole waren bissfest, die Muscheln ringsum hell und gut (12,50 Euro). Auch die Konsistenz der Ente könnte man als bissfest bezeichnen, gewiss nicht superzart, sondern eher rustikal, aber auch schön kräftig im Geschmack. Die Orangen-Ingwer-Sauce passte gut dazu, desgleichen die vier Stangen vom grünen Spargel und das runde Küchlein Süßkartoffelgratin (16,50 Euro). Das Kalbsfilet vom Grill war wirklich zart, sehr gut gewürzt, eigentlich waren es sogar zwei rosig gebratene Filets „Italian Style“. Dass er statt des gewünschten Spinats Grillgemüse dazu gebracht hatte, fand der Kellner nicht tragisch. Das sei eh besser. Auf jeden Fall schmeckte es gut, wenn auch wieder auf ähnlich schwerölige Art angemacht, wie schon das Vorgericht. Spargel, Erbsenschoten und Paprika bildeten auch optisch eine gute Mischung (19,50 Euro)

Der Service war rasch und effizient. Die Käsevitrine im Fenster sieht gut gepflegt aus, besonders der langsam zerlaufende Taleggio hat eine appetitanregende Aura. Eine eigene Dessertkarte macht immer Eindruck, auch wenn sie, wie hier, nur die üblichen Klassiker enthält. Unpraktisch fanden wir die Art, Cantuccine mit Moscato zu servieren. Das Gebäck war zwar in kleine Streifen geschnitten, das Glas mit dem Süßwein aber so geformt, dass man sie nur schwer eintauchen konnte. Ein weiter geöffnetes Grappa-Glas hätte bessere Dienste geleistet (6 Euro).

Einen Grappa aufs Haus gab es leider nicht, diese Sitte ist wohl im Aussterben begriffen. Dafür offerieren sie einen Mittagstisch für Italienkenner, was ja auch nicht schlecht ist. Außerdem verarbeiten sie frische Zutaten, was man schmeckte. Die Betreiber haben gerade erst angefangen, können also noch an Details feilen.

Das Konzept nennt sich „Italian Comfort Food“. Sollte Essen wirklich tröstlich sein? Besser wäre ein explizites Bekenntnis zur aromenreichen Leichtigkeit. Und das nicht nur zur Sommerzeit.

Knesebeckstr. 18, Tel: 3129381

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