Kolumne: Von TISCH zu TISCH : Osmanya

Man reibt sich erstmal die Augen, wenn man in das weißgoldene Ambiente des Osmanya tritt. An dieser Moabiter Ecke denkt man eher an Klischees von Migrantenproblemen. Aber das Wolfsbarschfilet? Hervorragend!

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Osmanya, Birkenstraße 17, Berlin-Tiergarten, Telefon (030) 488 299 99, geöffnet täglich ab 16 Uhr. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Man reibt sich erstmal die Augen, wenn man in das weißgoldene, an orientalischen Palästen orientierte Ambiente des Osmanya tritt. An dieser restgrauen Moabiter Ecke denkt man eher an Klischees von Migrantenproblemen statt an 1001 Nacht. Aber die Zeit scheint reif zu sein für Edeltürken, so wie sie es einst für Edelitaliener war. Nur scheinen viele arrivierte Berliner aus Anhänglichkeit noch bei Luigi oder Salvatore zu hocken. In dem weitläufigen Restaurantrraum sind wir die einzigen Gäste, die auf den schweren, rotgoldenen Samtsesseln Platz nehmen. Nur das Separée für eine Tafel von 16 Gästen, eine Treppe höher, ist noch belegt. Dabei lohnt es sich durchaus, den Abenteuergeist aus der Flasche zu lassen.

Das Parkett ist weiß mit goldenen Ornamenten, die Wände weißgolden und unter der Decke hängen Kronleuchter wie für die Schneekönigin entworfen. Ein sehr souveräner und selbstbewusster Ober (oder war es gar der Chef?) bedient uns mit viel Sinn für Pädagogik. Von dem türkischen Roséwein rät er dringend ab, der fliege sowieso bald von der Karte, auf die er vor seiner Zeit gekommen sei. Also nehmen wir den in französischen Eichenfässern gereiften Egeo Syrah, der fruchtig ist und recht süffig (21,50 Euro). Später werden wir noch den offenen weißen Vin-Art Emir-Sultaniye, Kavaklidere-Türkiye probieren, der frisch und herb ist und sich auch gut als Aperitif eignet (0,1 für 3 Euro). Es solle demnächst noch mehr offene türkische Weine geben, kündigt der Patron an.

Die Fleischsuppe „Serail Art“ schmeckt längst nicht so haremsmäßig, wie sie klingt, sondern angenehm großmütterlich nach lang gekochtem Fleisch, zart in kräftiger Brühe (7,50 Euro). Sehr empfehlenswert ist die kalte Vorspeisenplatte mit neun weißen, gut gefüllten Porzellangefäßen. Nein, der gestrenge Patron gesteht sie uns, da wir noch Hauptgänge bestellt haben, nur in der Variante für eine Person zu, was aber lässig reicht. Sonst würde es tatsächlich viel zu viel. Das klein geschnittene Fladenbrot dazu ist ein bisschen zäh. Die Vorspeisen sind ziemlich durchgekühlt, aber abwechslungsreich. Vier zarte Tranchen von der Lammhaxe bergen sich in Salatblätter, ebenso die zigarettendünn gerollten, gefüllten Weinblätter. Ganz besonders gut gefielen mir ein scharf gewürztes Püree aus Zwiebeln, Tomaten, Gurken und Peperoni und der Spinatsalat mit Knoblauch-Joghurtsauce. Schön scharf war auch die mit Sesammus gewürzte feuerrote Kugel aus püriertem Fetakäse. Dann gab es noch ein Mus von Auberginen und ein kräftiges Saubohnenpüree, dazu viele schwarze Schrumpeloliven (14 Euro).

Die Karte ist vergleichsweise klein, bleibt aber auch nicht bei den bekannten Spezialitäten stehen, sondern bietet zum Beispiel mit Anis marinierte Bratleber an (5,50 Euro) oder Löffelsalat mit Walnüssen und Granatapfelsauce (5 Euro). Sehr gut war das in Weinblätter gewickelte Wolfsbarschfilet auf einer erfrischend säuerlichen Limetten- Buttersauce. Dazu gab es blanchierten Staudensellerie (19 Euro) und krosse Röstkartoffeln.

Auch die zarten Lammwürfel auf einem Rosmarinspieß schmeckten dem Motto des Hauses „Ottoman Cuisine/Modern Art“ entsprechend zeitgemäß. Sehr gut passten dazu die gegrillten Tomaten und Paprika. Nur den bleichen, nichts sagenden Kartoffelwürfeln half der vornehme Name „Pommes Carée“ überhaupt nicht, die provozierten lediglich neidische Blicke auf den Nachbarteller (19,50 Euro).

Zum Nachtisch gönnte uns der Patron Miniatur-Variationen aufs Haus, vielleicht weil es so leer war, vielleicht aber auch, um seine pädagogischen Gelüste am Ende des Abends noch mal richtig austoben zu können. Er fragte nämlich ab, was wir davon erkannten. Die Quitte ging ja noch, aber „Art Pannacotta“ vermutet man beim Türken nicht so leicht. Bis der Frühling kommt, soll noch eine Terrasse gebaut werden. Unaufdringliche Loungemusik ersetzte den Geräuschpegel, den fröhlich parlierende Gäste normalerweise erzeugen. Ein sympathisches Lokal mit leider für diese Ecke der Stadt auch gut gewürzten Preisen. Möge das neue Jahr ihm gute Gäste bringen.

Osmanya, Birkenstraße 17, Berlin-Tiergarten, Telefon (030) 488 299 99, geöffnet täglich ab 16 Uhr.

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