Kolumne : Vorsicht vor dem Hunde!

Von Spider

Ich mache jetzt alles selber. Ich schaffe den Hund ab. Ich sehe das nicht mehr ein, dass ich den durchfüttere. Das mache ich jetzt alles selber, was der bisher gemacht hat. Das kann ich auch. Sabbern, wenn eine Frau vorbeiläuft, das kann ich auch, oder vorm Schaufenster vom Fleischer. Sabbern ist einfach. Das ist Anfängerstoff.

Andere Sachen, die hebe ich mir fürs Fortgeschrittenenstadium auf. Anderen Hunden am Popo rumschnuppern zum Beispiel. Angefangen habe ich – noch vor dem Sabbern – mit dem Bellen. Wie viele Hunde haben gelernt, Kommandos in unserer Sprache zu verstehen, da ist es nur fair, wenn mal einer von uns versucht, denen ihre Sprache zu erlernen. Also ich jetzt. Wenn das nicht klappen würde, das hieße ja, dass Hunde intelligenter wären als Menschen, weil es etwas gibt, das sie lernen können, umgekehrt wir aber nicht.

Keine Ahnung, ob das jetzt so ein positives Licht aufs Menschengeschlecht wirft, dass ausgerechnet ich deren erster diplomatischer Vertreter in der Tierwelt bin. Ich habe schon viele Hunde angebellt, auf der Straße. Wirklich sehr viele. Aber nie haben sie mich verstanden. Obwohl es das Erste war, womit ich begann, muss ich selbstkritisch anmerken: Die Sprache der Hunde verstehe ich noch immer nicht.

Dafür kann ich jede Menge Kunststücke. Ich kann Männchen machen, Pfötchen geben und Stöckchen holen. Ich kann sogar Stöckchen werfen. Welcher Hund kann das schon?

Ich kann mir vierstellige PINs merken. Ich könnte mir sogar fünfstellige PINs merken, aber ich will nicht angeben. Ob ich mir eine sechsstellige PIN merken könnte, da bin ich mir nicht so sicher. Ich wüsste jetzt auch nicht, wozu das gut sein sollte. Heutzutage verlangt man Dinge von den Hunden, das ist schon verrückt.

Völlig neu ist das für mich nicht, das zu machen, was der Hund macht, denn ich tat davor schon seit längerer Zeit was Ähnliches. Ich machte alles, was die Katze gemacht hatte, früher, als sie noch lebte. Ich lag rum und döste, den halben Tag. Dann ging ich auf Toilette und legte mich wieder hin. Zwischendurch zählte ich meine Mäuse.

Jetzt also Hund. Vielleicht habe ich ja einen evolutionären Schritt gemacht, von der Katze zum Hund. Mal sehen, was als Nächstes kommt. Fliegen, so wie ein Fliegender Hund? Oder schwimmen wie ein Seehund? Obwohl, sollte Hund wirklich die Weiterentwicklung von Katze sein?

Also, die Sache mit der Toilettenbenutzung, das hat die Katze besser raus. Und ich will mich ja auch weiterentwickeln, eigentlich. Oder nö, Quatsch, ich will mich überhaupt nicht weiterentwickeln. Ich will einfach bloß die Viecher nicht mehr durchfüttern. Darum mache ich das jetzt ganz alleine, was die bisher gemacht haben.

Ich glaube, wo ich schon mal dabei bin, mache ich auch noch das, was die Pflanzen bisher getan haben. Brauche ich die nicht mehr zu gießen, trinke ich das alles selber. Hocke ich den ganzen Tag auf dem Fensterbrett. Und welke dahin.

Jetzt suche ich bloß noch jemanden, der das erledigt, wozu ich nicht mehr die Zeit finde, also jemanden, der es übernimmt, das zu tun, was ich bisher gemacht habe. Das ist nicht viel. Interessenten melden sich bitte mit Foto. Ich will ja nicht von jemandem vertreten werden, der die hohen visuellen Standards unterläuft, die ich gesetzt habe. Und bitte nur ernst gemeinte Zuschriften. Sonst lasse ich den Hund von der Leine. Und das möchte ich eigentlich nicht. Denn dazu bin ich eigentlich zu bequem.

Spider liest regelmäßig bei den Surfpoeten und der Lesebühne „LSD – Liebe statt Drogen“. Hier vertritt er Esther Kogelboom, die Ferien macht.

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