Zeitung Heute : KOMMENTAR

Egidius Braun ist als einfühlsamer, sensibler Mensch bekannt.Seine Tränen der Scham und der Bestürzung nach den schweren Krawallen in Lens konnte man unter diesem Aspekt nachvollziehen.Für Braun, den Aufrechten, den Gefühlsmenschen, war eine Welt zusammengestürzt.Eine Welt freilich, die schon längst nicht mehr heil war.Deutsche Hooligans haben schon so oft die Fußballszene aufs übelste heimgesucht.

Schon deshalb ist das kurzzeitg in Auge gefaßte Angebot zum Rückzug der deutschen Mannschaft von dieser Weltmeisterschaft nicht zu verstehen.Gewiß, darüber nachzudenken, muß gestattet sein.Doch er wäre eine Kapitulation vor wenigen Kriminellen gewesen, die dann genau ihr Ziel erreicht hätten.Auch in München gingen damals trotz weit schlimmerer Geschehnisse die Spiele weiter, auch in England vor zwei Jahren wurde nach der Bombe weitergekickt.Nicht Rückzug darf die Reaktion sein, sondern verschärfter Einsatz der Sicherheitsmaßnahmen.Absoluten Schutz vor Ausschreitungen wird man freilich auch damit nicht gewährleisten.

Des Bundestrainers Ärger ist verständlich.Es bleibt die Frage, warum dieser Ärger auch gestern noch, einen Tag nach dem Dementi, in die Öffentlichkeit getragen werden mußte.Im Regen stand da neben Braun, der sich wegen Abwesenheit nicht wehren konnte, auch der Pressesprecher Niersbach.Dessen Versuch, den Präsidenten aus der Schußlinie zu nehmen, mußte zum Scheitern verurteilt sein.Zurückblieb ein Bild der Zerrüttung.Es paßte so gut zum Bild, das die deutschen Hauptakteure in diesen so wenig erbaulichen WM-Tagen abgeben.- cc

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