KOMÖDIE „Triff die Elisabeths“ : Fisch auf der Piste

Julian Hanich

Jean-Gabriel, ein schwarzer Franzose von den Antillen, ist ein sympathischer Faulpelz. Sein geringes Einkommen verschleudert er in Wettbüros. Seine weiße Frau und die drei Kinder sehen das mit wachsendem Unbehagen. Weil er zudem gerne eine große Klappe riskiert, verplappert er sich auch schon mal. Und so kommt es, dass er großspurig einen Skiurlaub mit der Familie ankündigt, für den ihm von hinten bis vorne das Geld fehlt. Und nicht nur das: Ein motorisiertes Gefährt muss er ebenfalls besorgen. Die Distanz vom Pariser Banlieue Créteil zum Alpenort Les Gets beträgt schließlich knapp 600 Kilometer. Aber wenn man genau ist, liegen sogar Welten dazwischen.

Man nennt es das „fish out of water“-Prinzip. Die Idee ist ganz einfach: Zieht man einen Fisch mit der Angel aus seiner angestammten Umgebung und legt ihn an Land, macht er ziemlich schnell eine ziemlich blöde Figur. Er japst, grimmassiert und hüpft hin und her. Er zappelt wild und macht krumme Faxen. Ja, man könnte durchaus sagen, er wird zur Slapstick-Figur. Übertragen auf das Kino wird daraus eine wahre Wundertüte an Witz und Humor. Es ist eine uralte Strategie der Filmkomödie, die schon deshalb immer wieder funktioniert, weil sie eine noch ältere Grundregel der Komik beherzigt: das Aufeinanderprallen von Extremen und das damit verbundene Funkenschlagen der Kontraste.

Mit dieser Strategie hat „Triff die Elisabeths“ in Frankreich einigen Erfolg gehabt. Nicht zu Unrecht. Hier treffen aufeinander: die Unterschiede zwischen den französischen Regionen, schwarze Großstädter und die verschneite Bergwelt in der Provinz, die Banlieue-Unterschicht mit Migrationshintergrund und die Weißen in den reichen Savoyer Alpen. Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Lucien Jean-Baptiste (Foto, oben) hat kein Problem damit, hemmungslos mit der Hautfarbe der karibisch-französischen Familie seine Wortwitze zu treiben: Da wird über schwarzen Kaffee, schwarze Pisten und Schwarzzahlungen gescherzt. Aber weil mit der Großmama eine Frau dabei ist, die mit dem Wort „Wuchtbrumme“ noch zurückhaltend beschrieben ist und gewaltig an die resolut-rundliche Dame aus dem „Ladykillers“-Remake der Coen-Brüder erinnert, haben auch die Frauen in diesem Film ein, nun ja, gewichtiges Wort mitzureden. Und das durchaus zur Erheiterung des Zuschauers. Amüsant. Julian Hanich

„Triff die Elisabeths“, F 2009, 90 Min.,

R: Lucien Jean-Baptiste, D: Lucien Jean-Baptiste,

Firmine Richard, Anne Consigny

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