KOMÖDIE„Ziemlich beste Freunde“ : Wie er mir, so ich ihm

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Foto: Senator
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Das Kino liebt Geschichten über ungleiche Paare und unwahrscheinliche Freundschaften. Die Handlung des französischen Kassenschlagers „Ziemlich beste Freunde“ klingt, als wären drei solche Filme komprimiert worden. Da ist zum einen der Aristokrat Philippe (François Cluzet, vorn): humanistisch gebildet, musisch veranlagt, stinkreich, aber auch querschnittsgelähmt, melancholisch, resigniert. Und dann gibt es den Senegalesen Driss (Omar Sy, links): frisch aus dem Gefängnis entlassen, verantwortungslos, unzuverlässig, aber auch lebensbejahend, gewitzt, humorvoll. Was dem einen fehlt, hat der andere im Überfluss, hier sozialer Status, dort unbeschwerte Lebenslust – ideale Voraussetzungen für eine symbiotische Partnerschaft, in der sich die Beteiligten gegenseitig vervollständigen.

Nachdem erst einmal erklärt wurde, wie es dazu kommt, dass Driss von Philippe als Pfleger eingestellt wird – im Film wunderbar originell und hinreichend plausibel gelöst – ergibt sich der Rest praktisch von selbst. Driss weckt Philippes Lebensgeister, macht ihn mit weichen Drogen bekannt und führt ihm die Lächerlichkeit seines elitären Umfelds vor Augen. Er lässt den praktischen Minivan stehen und küsst stattdessen Philippes schwarzen Maserati aus seinem Dornröschenschlaf. Philippe vermittelt Driss im Gegenzug die eine oder andere Sekundärtugend, öffnet ihm die Augen für die Schönheit der Kunst und inspiriert ihn sogar dazu, selbst einen Pinsel in die Hand zu nehmen.

All das ist so formelhaft und konstruiert, wie es sich nur ein Film erlauben kann, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Tatsächlich stießen die beiden Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache durch einen Dokumentarfilm auf die Geschichte und bezogen den „echten“ Philippe, Philippe Pozzo di Borgo, in die Entwicklung des Stoffs ein.

Zu spüren ist der Realitätsbezug allerdings kaum, der Film erzählt seine erbauliche Geschichte nach allen Gesetzen der Gattung des Buddy Movies, ohne Ecken und Kanten und geradezu schamlos auf Publikumsbefriedigung getrimmt. Das Ergebnis ist eine Wohlfühlkomödie von handwerklicher Perfektion, in der die vorzüglichen Hauptdarsteller prächtig harmonieren, das Timing in den komischen wie in den ernsten Szenen genau stimmt und die Formel, die sich früh abzeichnet, so originell wie liebevoll mit Leben gefüllt wird. Herzlich. David Assmann

F 2011, 112 Min., R: Eric Toledano und Olivier

Nakache, D: François Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny, Audrey Fleurot

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