Zeitung Heute : Konkurrenz für Windows & Mac: BeOS - Eine Million Anwender

Klaus Angermann

Keine PC-Abstürze in wichtigen Situationen. Ressourcenfressende Anwendungen parallel ausführen, ohne dass der Rechner in die Knie geht. Und sollte das System einmal zerschossen sein, darf die Neuinstallation keine Stunde in Anspruch nehmen. Das Betriebssystem, das das kann, gibt es nicht? Gibt es doch, kommt aber nicht aus der Feder von Bill Gates (Microsoft), Steve Jobs (Apple) oder Linus Torvald (Linux) und nennt sich unspektakulär BeOS. Über eine Million Anwender haben schon davon Gebrauch gemacht.

1991 begann die Firma Be Inc. mit ersten Überlegungen für das neue Betriebssystem. Wurden anfangs Alpha-Prozessor und der PowerPC unterstützt, glaubt man bei Be nun an Intels Pentium-Prozessoren. Ins Aufgabenbuch schrieben die Entwickler einen entschlackten Microkernel, mit dem das System nicht nur schnell bootet, sondern vor allem im Bereich Multimedia seine Muskeln spielen lassen sollte. BeOS sollte stabiler als Windows oder das MacOS sein und nach einem Programmabsturz nicht das ganze Betriebssystem paralysieren. Bei den Programmierern liegt allerdings der Pferdefuß: Es gibt noch zu wenig Applikationen, da viele Firmen das Projekt BeOS nur zögerlich unterstützen. Die Folge ist ein wenig optimaler Treiber-Support. Das Betriebssystem harmoniert zwar mit gängigsten 3D-Karten und -chipsätzen, Audiokarten oder Hardware wie Motherboards, SCSI-Controllern und Prozessoren. Erwartet man zusätzlich besten Drucker-Support oder möchte flink sein ISDN-Modem einrichten, kommt BeOS an seine Funktionsgrenzen. Derzeit kann das ausschließlich in Englisch erhältliche BeOS 5 in einer abgespeckten, 43 Megabyte großen "Personal Edition" kostenlos im Internet heruntergeladen werden. Die Installation geht sehr schnell, und die meiste Hardware funktioniert auf Anhieb ohne nervende Nachfrage-Dialoge. BeOS kostet in der deutschen Pro-Edition 169 Mark (ab Juni zu haben bei www.de.kochmedia.com ) und kann problemlos in Koexistenz mit Windows laufen. Anders als bei Linux ist der Support, was Treiber und auch Software anbelangt, nicht zufriedenstellend. Ist BeOS nur etwas für Freaks? Das hat man anfangs über Torvalds Linux auch gedacht - heute stellen Linux-Distributionen echte Alternativen zu Microsoft-Systemen dar.Download im Internet www.be.com/products/freebeos

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