KONZEPTPOPThe Magnetic Fields : An einem dunklen Ort

Jörg W,er

Ideen muss man haben: Stephin Merritt hat kurz vor der Jahrtausendwende den Reiz des Konzeptalbums für sich entdeckt. Zuvor hatte er als verantwortlicher Kopf der Magnetic Fields eine Handvoll obskurer Platten veröffentlicht, auf denen er seine zwischen Synthie-Folk, Post-Industrial und Indie-Gitarren mäandernden Stücke einem kleinen, verschworenen Fanzirkel vorwarf.

Dann kam „69 Love Songs“: ein knapp dreistündiges Monumentalwerk, auf dem der schwule New Yorker Songwriter mit sonorer Baritonstimme eine wahrhaft enzyklopädische Vielfalt an Variationen über das Thema Liebeslied intonierte. Ein ebenso größenwahnsinniger wie großartiger Trip, der den 1966 geborenen Merritt zwar nicht gerade in den Mainstream katapultierte, aber immerhin bei einem größeren Publikum die Aufmerksamkeit für seine abgelegenen Ideen schärfte. Und die sprudelten munter weiter: Zwischen den offiziellen Magnetic-Fields-Alben „I“ (2004), bei dem jeder Song mit dem englischen Personalpronomen begann, und dem im letzten Winter erschienenen „Distortion“ fand er noch Zeit für Kinderbuch-Vertonungen, Musical-Scores, Soloalben und zwei Neben-Bands.

Auf „Distortion“ taucht Merritt die an verquere Doo-Wop-Hits oder Sixties-Bubblegum-Pop erinnernden Melodien in Dämmschichten aus vergifteter Feedback-Zuckerwatte und erzeugt somit klaustrophobe Höreindrücke, die seine Lieder wie Beach-Boys-Songs von der dunklen Seite des Mondes klingen lassen. Ein Ort, wo die freie Adaption des gleichnamigen Surf-Klassikers nur mit der Zeile „I hate California Girls“ enden kann.Jörg Wunder

Passionskirche, So 6.7., 20 Uhr, 25 € BR255

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