KOOPERATIONSPARTNER : Qualfreiheit

Das Angebot an Pflegeheimen in Berlin ist groß. Welche Kriterien helfen, die Auswahl auf ein überprüfbares Maß einzugrenzen.

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Wer schon mal eine neue Wohnung gesucht hat, der weiß, wie langwierig das sein kann. Aber wenigstens kann man sich dabei Wochen oder Monate Zeit lassen. Ganz anders ist es, wenn es um einen Pflegeheimplatz geht. Denn die Pflegebedürftigkeit kommt in der Regel plötzlich – etwa nach einem schweren Sturz oder einer schweren Krankheit. Dann muss binnen weniger Tage ein Heimplatz her.

In der Region Berlin und Brandenburger Umland gibt es fast 400 Pflegeheime. Ein abschreckendes Angebotswirrwarr. Deshalb sollte man sich aus möglichst vollständigen Übersichten, wie zum Beispiel dem jetzt erschienenen Pflegeheimführer 2013 von Tagesspiegel und Gesundheitsstadt Berlin, zunächst fünf bis zehn Heime anhand rein formaler Kriterien vorauswählen, um diese dann genauer unter die Lupe zu nehmen. Welche Kriterien könnten das sein? Da ist zum Beispiel die Lage des Pflegeheimes: Die meisten Menschen möchten auch nach dem Umzug in der Nähe zum eigenen Kiez bleiben, um die sozialen Kontakte nicht zu verlieren. Deshalb sind die Tabellen im Pflegeheimführer nach Bezirken und Landkreisen geordnet.

Aber auch die Platzzahl, Zimmerausstattung und der gebotene Service sind für die Vorauswahl wichtig. Denn ob man sich in einem größeren oder eher familiären kleineren Haus wohlfühlt, das ist Geschmackssache. Die Spanne der Heimgröße in der Region reicht von weniger als 20 Plätzen bis hin zu weit mehr als 300. Gibt es darunter einen hohen Anteil von Einzelzimmern, steigt die Chance, ein solches zu bekommen. Möchte man also allein ins Heim ziehen und legt Wert auf Privatsphäre, ist dieser Punkt wichtig. Anders ist das natürlich für Ehepaare.

Manchmal aber ist die Kieznähe des Heimes weniger wichtig. Besonders dann, wenn ein sehr speziell ausgestattetes Haus gebraucht wird, von denen es nur wenige gibt, zum Beispiel zur Versorgung von Demenzerkrankten, Beatmungspflichtigen oder Wachkomapatienten.

Und natürlich soll es ein gutes Heim sein. Nur, wie erkennt man, welche Qualität die Einrichtung bietet? Seit 2009 müssen die Pflegeheime die Ergebnisse der Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK) in Form von Schulnoten veröffentlichen. Allerdings ist das System umstritten, weil die am Ende im „Zeugnis“ stehenden fünf Teilnoten nur den Durchschnitt von über 80 sehr unterschiedlich aussagekräftigen Kriterien abbilden. So kann das Heim ein „mangelhaft“ in der Nahrungsversorgung mit einem „sehr gut“ für gedruckte Essenspläne in ein „befriedigend“ insgesamt korrigieren. Die Prüfungsergebnisse können also nur eine grobe Orientierung sein, und auch das nur dann, wenn man sich sämtliche Unterkriterien mit anschaut.

Auch die Prüfungen der Heimaufsicht bieten weitere wichtige Anhaltspunkte für die Qualität. Denn die Heimaufsicht kontrolliert zum Beispiel auch die Ausstattung der Pflegeeinrichtung mit Fachpersonal, was der MDK in der Form nicht tut. In Berlin werden seit Mitte 2012 – bisher weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – die Berichte dieser Kontrollbehörde im Internet veröffentlicht. Bisher liegen diese Berichte aber erst für ein paar Handvoll Heime vor. Viele Einrichtungen erlauben aber von sich aus, Einblick in die Prüfunterlagen zu nehmen. Interessierte sollten also danach fragen.

Selbstverständlich spielt es auch eine Rolle, welches Budget für die Unterbringung im Heim zur Verfügung steht. Denn trotz der Leistungen der Pflegeversicherung bleibt in Pflegeheimen noch ein erheblicher Eigenanteil, den die Bewohner aufzubringen haben – und wenn sie dies nicht können, die Angehörigen oder, wenn auch von dort keine Unterstützung möglich ist, die Sozialhilfe. Im Schnitt kostet ein Pflegeheimplatz der Pflegestufe III in Berlin insgesamt über 2900 Euro im Monat, in Brandenburg rund 2500 Euro. Ein erkleckliches Sümmchen! Im Einzelfall kann der tatsächliche Preis erheblich darüber liegen. Heime mit gehobener Ausstattung, die sich dann oft Residenzen nennen, berechnen für die Pflegestufe III bis zu 2700 Euro im Monat als Eigenanteil.

Die Rechnung „teuer gleich gut“ geht übrigens in der Pflege nicht auf, sagen Fachleute. Die Qualitätsunterschiede in den Pflegeheimen seien zwar zum Teil enorm – aber unabhängig vom Preis, der verlangt wird.

Auch eine wichtige Frage: Gibt es Haustiere oder Möbelstücke, von denen sich der Betroffene vor dem Umzug ins Heim nicht trennen mag? Dann sollte man nur Einrichtungen in die engere Wahl ziehen, die es erlauben, Haustiere oder Möbel mitzubringen. Das sind in der Region Berlin-Brandenburg die weitaus meisten. Viele Heime bieten darüber hinaus auch die Möglichkeit, probeweise zu übernachten. Wenn man sich für zwei oder drei Einrichtungen entschieden hat, kann das probeweise Dableiben für mindestens 24 Stunden den letzten Zweifel ausräumen – oder bestärken. Denn das, was nachts im Heim geschieht, etwa die Geräuschkulisse oder die Anzahl der auf den Stationen nachts tatsächlich anwesenden Pflegekräfte, sagt viel aus über die Qualität.

Hat man die Liste so auf eine überschaubare Anzahl Einrichtungen eingegrenzt, die die eigenen Kriterien nach Aktenlage am besten erfüllen, ist ein Besuch in den ausgewählten Pflegeheimen quasi eine Pflicht. „Vor der letztlichen Entscheidung sollte die sinnliche Erfahrung vor Ort stehen“, sagt Martina Wilcke-Kros vom MDK Berlin-Brandenburg. Das gelte etwa für den Geruch. Riecht es längere Zeit nach Urin – kurzzeitige Gerüche lassen sich nicht vermeiden, wenn Inkontinenzeinlagen oder auch Windeln gewechselt werden müssen –, kann das ein Hinweis auf Qualitätsmängel sein. Möglicherweise müssen die Bewohner die Inkontinenzhilfen dann zu lange am Körper tragen oder die Toiletten werden nicht ausreichend gereinigt.

Und schließlich: Keiner sollte Hemmungen haben, im Heim eine ausführliche Beratung zu fordern. Diese wird man in der Regel auch nicht verweigern – wenn doch, ist auch das ein Qualitätskriterium. Noch besser sei es, wenn das Heim eine Referenzperson für Auskünfte benenne, die kein eigenes Interesse daran habe, einen Platz zu belegen, sagt Wilcke-Kros – entweder einen Bewohner oder einen ehrenamtlichen Mitarbeiter.

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