Zeitung Heute : Kostenloses Surfen für Kino-Gänger

ANJA SCHIFFEL (AP)

Die Kinokarte ist gesichert, das Popcorn halb verzehrt, und noch immer öffnet sich die große Tür nicht.Wie wär es da mit einem raschen Rundflug um die Welt? Ein öffentliches Internet-Terminal im Nürnberger Kino macht das jetzt möglich.Am sogenannten K-Punkt, dem nach Worten des Anbieters ersten kostenlosen und öffentlichen Internet-Terminal Deutschland, kann der Kinobesucher sowohl durchs weltweite Netz surfen als auch elektronische Post verschicken.Noch in diesem Jahr sollen weitere 34 Terminals in 16 deutschen Städten folgen, darunter Berlin, Düsseldorf, Köln und Leipzig, so Jörg Hänel vom Hans-Müller-Verlag.

Per Fingertip auf die große, verlockende Weltkarte landet der Surfer kurze Zeit später je nach gewünschtem "Reiseziel" in Kapstadt, Helsinki oder New Orleans.Dort kann er sich, den jeweiligen Links folgend, kostenfrei mit den gewünschten Informationen versorgen.Möglich wird dies laut Hänel durch die Werbeangebote verschiedener regionaler und überregionaler Firmen, die ebenfalls angetippt werden können.

Die Terminals sollen künftig vor allem dort aufgestellt werden, wo viele Menschen zusammenkommen, also in Kinos, Bahnhöfen und möglicherweise auch Banken.Vor allem Neueinsteigern sollen die "K-Punkte" die Möglichkeit bieten, das globale Computernetz auf einfache Art und Weise kennzulernen.Pornographische sowie gewaltverherrlichende oder antisemitische Inhalte werde der Nutzer jedoch nicht finden, betonte Hänel.Darauf habe man bewußt verzichtet.Das Angebot reicht von Wetterinformationen aus aller Welt über aktuelle Nachrichten bis zu den Fußballergebnissen.Außerdem können Bücher, CDs oder Textilien bestellt werden.Und soll es mal ganz schnell gehen, können auch E-Mails kostenfrei an den Wunsch-Adressaten verschickt werden.

Glaubt der Aktionär, noch vor dem Film die neuesten Kurse seiner Aktien kontrollieren zu müssen - kein Problem: Aktuelle Börseninfos, ob aus London, Tokio oder New York, sind jederzeit abrufbar.Und dauert das Warten auf die Verabredung gar zu lange, kann über das Terminal auch mal kurz "Memory" gespielt werden.Für Abergläubische gibt es das elektronische Horoskop.Bleibt nur zu hoffen, daß die Kinobesucher im Datenrausch nicht noch den Film verpassen.

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