KOSTÜMFILM„Die Herzogin“ mit Keira Knightley : Prinzessin der Herzen

Christina Tilmann

Wagengroße Hüte, turmhohe Frisuren, Spitzen und Schleifchen, Schönheitsflecken und Puder. Es ist eine Gainsborough-, eine Reynolds-Welt, die Kostümbildner Michael O’Connor höchst sorgfälig und detailverliebt nachempfunden hat. Allein das ist schon ein Fest – der Oscar für die besten Kostüme war wahrlich verdient. Und natürlich ist die gertenschlanke Keira Knightley mit ihrem Schmollmund, den dunkel funkelnden Augen und der durchscheinenden Porzellanhaut genau die richtige Besetzung für die Society-Prinzessinnen, die im England des 17. Jahrhunderts für Glanz und Glamour sorgten. Und doch ist „Die Herzogin“ von Saul Dibb weit mehr als ein Kostümfilm, als pure Augenweide, Schmerz fürs Herz. Das Leben der Femme fatale Georgiana Spencer, die als 17-Jährige den Herzog von Devonshire, einen der reichsten und mächtigsten Männer Englands heiratet, ist die Geschichte einer modernen Frau in einer vormodernen Zeit – hätte die Genealogie es nicht schon gefügt, dass Georgiana Spencer eine Vorfahrin von Lady Diana Spencer war, man müsste sie eine Schwester im Geiste nennen.

Nicht nur, dass sie eine Stilikone war, eine, von deren Kleidern und Frisuren ganz London sprach, in einer Mischung aus Faszination und Schockiertheit, und von ihrer hemmungslosen Verschwendung und Spielsucht. Georgiana Spencer machte auch Politik, unterstützte, mit der ganzen Macht ihrer Schönheit und ihres Reichtums, die Whigs und deren Kandidaten Charles Grey, mit dem sie eine lebenslange Herzensfreundschaft verband. Vor allem, und da werden die Parallelen überdeutlich, erzählt „Die Herzogin“ die Geschichte einer unglücklichen Ehe. Einer Ehe, die aus Standesräson geschlossen wird – Charlotte Rampling hat einen großartigen Auftritt als eiskalt berechnende Mutter – und in der Alters- und Temperamentunterschiede bald zu unüberwindlicher Fremdheit führt. Der strahlende Traumprinz, den die deutlich jüngere Georgiana zu heiraten meint, entpuppt sich als trockener, harter Mann, der sich die wenigen Emotionen, derer er fähig ist, für eine unkomplizierte Liebschaft spart. Dass in der Darstellung von Ralph Fiennes trotzdem wenn nicht Sympathie, so doch Verständnis für diesen in seinen Zwängen gefangenen Herzog aufkommt, ist nicht das kleinste Wunder dieses Films. Opulent. Christina Tilmann

„Die Herzogin“, GB 2009, 110 Min., R: Saul Dibb, D: Keira Knightley, Ralph Fiennes, Charlotte Rampling, Hayley Atwell

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