Zeitung Heute : Kräftigt Schreien die Lungen?

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Am Anfang ist das Schreien wichtig. „Gesunde Neugeborene müssen schreien“, sagt die Kinderärztin Renate Bergmann. Die Professorin von der Klinik für Geburtsmedizin der Charité auf dem Campus Virchow, die seit Jahrzehnten Säuglinge behandelt und die einschlägige Forschung überblickt, erläutert: „Das tiefe Einatmen, Luftanhalten und Schließen des Kehldeckels vor dem Schrei pumpt die noch nicht entfaltete Lunge wirksam auf.“

Später gilt: Dass ein Baby schreit, ist in den nächsten Wochen und Monaten seines Lebens zwar normal. Dass Schreien dann „die Lungen stärkt“, wie der Volksmund behauptet, ist aber keineswegs erwiesen.

„Kranken Säuglingen kann exzessives Schreien schaden“, betont Renate Bergmann. Die Stimmbänder können auch bei gesunden Babys durch schrilles Schreien beschädigt werden. „Das heilt aber meist wieder aus“, versichert die Kinderärztin.

Wenn Kinder beim Schreien die Luft anhalten, wirkt das auf ihre Umgebung ausgesprochen beängstigend. Es hat aber keine schlimmen Konsequenzen, außer in ganz seltenen Ausnahmefällen.

Wenn ein Kind viel weint und lautstark brüllt, hat das weit häufiger auf einem anderen Weg gefährliche Folgen für seine Gesundheit, wie Kinderärzte aus Erfahrung wissen: „Eltern leiden nicht nur darunter, sondern können auch heftig darauf reagieren, manchmal mit tödlichem Ausgang für das Kind.“

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