Zeitung Heute : Kraftmeierei

BORIS KEHRMANN

Das Trio ex aequo im SchauspielhausBORIS KEHRMANNDas Berliner Trio ex aequo wurde 1988 gegründet.Seine Mitglieder - die Violonistin Antje Weithaas, der Cellist Michael Sanderling und der Pianist Gerald Fauth - sind zwischen Anfang und Ende Dreißig, wurden mit zahlreichen Solistenpreisen ausgezeichnet und lehren als Professoren an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler".Im Brahms-Kammermusik-Zyklus, den dieses Institut im Kleinen Saal des Schauspielhauses ausrichtet, vertraten sie das frühere Werk. Das gefühlssatte Vibrato des ersten Tons nahm Sanderling in der Cello-Sonate e-Moll op.38 zwar augenblicklich zugunsten eines beherrschteren, schlankeren und geschmeidigeren Musizierens zurück.Schon hier zeigte sich aber die Neigung zu vorschnellen dramatischen Steigerungen, zu einer von außen herangetragenen Demonstration von Kraft und Jugendlichkeit, die vollends in den donnernden Klavierbässen des Finales im groben Effekt verpuffte.Dieser Effekt nutzte sich in den Satzschlüssen der beiden anderen Werke des Abends, im Klaviertrio H-Dur op.8 und im Klavierquartett A-Dur op.26, bis zum Stereotyp hin ab.Im Trio wurde bereits das erste Crescendo gleich nach der Vorstellung des lyrischen Themas aus dem Nichts heraus zum kaum noch zu überbietenden wilden Leidenschaftsausbruch hochgepeitscht.Die innere Logik, die im Trio auf der diffizilen Vermittlung poetischer und aufbrausender Charaktere mit deutlichem Übergewicht ersterer beruht, zerbrach unter der Gewalt unzimperlicher Kontrastästhetik.Spieltechnisch berückender Einklang von Violine und Cello im Leisen konnte so seine volle Wirkung in einem sinnvollen Ganzen nicht entfalten.Die Freude am Extrovertierten und Lauten beherrschte auch das Opus 26, in dem der Bratscher Hartmut Rohde von der HdK das Klavierquartett vollzählig machte.Ärgerlich blieb, je länger, je deutlicher, der Mißbrauch, den Gerald Fauth mit dem Pedal seines Steinways trieb.Lyrische Passagen wurden gehörig eingeseift, dramatischen ein künstliches Volumen verliehen, so daß schließlich vieles wie aus dem Mustopf klang.

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